Muslime zwischen Radikalismus und Opferrolle

Wenn Sie Pegida und all ihren Ablegern kritisch gegenüber stehen, so werden Sie Ihre Gründe haben. Vielleicht nehmen Sie an den Gegendemonstrationen teil, vielleicht auch nicht. Aber wie halten Sie es, wenn Sie meinen, es gäbe so einiges, was unbedingt einmal laut angesprochen werden sollte? Schließen Sie sich in ihrer Wohnung ein und lassen dort Ihrem Unmut freuen Lauf, oder suchen Sie sich Gleichgesinnte und sinnen Sie gemeinsam darüber nach, wie man sich Gehör verschaffen könnte?
Wenn Sie dies bejahen, dann gehören Sie vielleicht zu denen, die sich einer Gruppe Menschen anschließen würden, die nicht „Pegida-nah“ sind oder rechtes Gedankengut vertreten, auch nicht linksextreme Thesen gutheißen und dennoch vor Anfeindungen aus allen Schichten der Gesellschaft nicht sicher sind.
In Tagen, wo ganz öffentlich in Europa nicht nur Angriffe auf Menschenleben geschehen, sondern damit zugleich ein Angriff auf unsere Demokratie, werden von den Rat- und Tatlosen gern wieder Mahnungen laut, die dazu auffordern “ nicht alle über einen Kamm zu scheren“ , sich in Differenzierung zu üben und ja- endlich zu akzeptieren, dass „der Islam zu Deutschland gehöre“. All diese Phrasen und polemischen Belehrungen können jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass es sehr wohl Probleme gibt – vielleicht nicht mit „dem Islam“, sehr wohl aber mit den Auslegungen einer, inzwischen nicht mehr zu übersehenden, Anzahl demokratiefeindlicher Muslime, die – leider –  eben auch zu Deutschland gehören.
Man kann Probleme nicht wegreden, indem man andere Menschen diskreditiert, man kann sie auch nicht wegreden, indem man ständig davon spricht, dass die Mehrheit der Muslime in Deutschland wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft sind, was gut so ist, aber eine Normalität sein sollte, so wie bei Menschen verschiedener anderer Religionen und Herkunft.
Wie wir gerade erleben mussten, reicht eine Handvoll eben dieser demokratiefeindlichen Muslime jedoch aus, um eine ganze Demokratie zu gefährden und viele Menschen zu töten.
Das muss zum Thema gemacht werden und Betroffenheitsbekundungen von Politik, Medien und Verbänden genügen eben nicht. Das Thema islamischer Extremismus in unserer Gesellschaft muss dringend thematisiert werden und dazu gehören nicht nur couragierte und vor allem informierte Journalisten, sondern auch couragierte Bürger, wie etwa die, die seit Wochen jeden Samstag in Frankfurt a. M. den dort unbehelligt missionierenden Salafisten ihre Stirn bieten. Wieviel Mut und Kraft dazu gehört, zeigt der Bericht einer Teilnehmerin vom letzten Samstag.

„…Das Problem ist größer denn je. Wir waren heute von 15-17 Uhr vor dem „My Zeil“ vor Ort, umsichtig von der Polizei beschützt, obwohl etliche Veranstaltungen gleichzeitig stattfanden. Vielen Dank. In der Spitze waren wir heute etwa 30, viele Neue, die das erste mal die direkte Konfrontation erlebten. Wer nun gedacht hatte, dass die Diskussionen nach Paris anders waren, der irrt. Viele Passanten blieben stehen und beobachteten, wie wir von z.T. aggressiv debattierenden Personen angegangen wurden. Die Hinrichtung einer Redaktion erregte die mit uns diskutierenden Muslime nicht sichtlich, sofort wurden wir wegen des Begriffs Islamismus wie üblich angegangen. Und das, obwohl einige von uns „je suis Charlie“-Schilder trugen.
Zwei ältere Herren, Deutsche, versuchten, mir einzureden, dass der Begriff „Islamismus“ ganz falsch sei und abzulehnen. Die Erklärung wollten sie nicht annehmen. Beim Verweis auf die wissenschaftliche Nutzung lachte einer höhnisch und meinte, da gäbe es auch andere Wissenschaftler. Es war zu bemerken, dass er keinerlei Kenntnisse hatte, aber trotzdem Recht behalten wollte. Der andere Herr flankierte und beide waren sich einig, dass die Wissenschaft, der Staatsschutz und auch ich dieses Wort so nicht gebrauchen dürften.
Ein alter, halbblinder Mann gesellte sich zu uns, der vor langen Jahren aus dem Iran geflohen war. Er ließ sich unser Anliegen erklären und wurde dann sehr traurig. Er habe in seiner ehemaligen Heimat die Auswüchse eines radikalen Islam und des Totalitarismus am eigenen Leib zu spüren bekommen. Es sei für ihn ganz furchtbar, vor Islamisten geflohen zu sein und nun – als Papier-Muslim, aber Atheist – diese Entwicklungen hier zu sehen. Kaum einer wisse besser als die aus dem Iran geflohenen, wie schnell ein Land zurückfallen könne in Barbarei und Unrecht. Man müsse dem unbedingt einen Riegel vorschieben. Eine Mutter, aus Ägypten stammend, fragte nach dem Begriff „Islamismus“. Ihr kleiner Sohn, vielleicht 12, antwortete ins Erwachsenengespräch hinein. Die Beschreibung kam sehr flott und war erstaunlich präzise. Er habe das nun in der Schule gelernt, meinte er.
Eine muslimische Teilnehmerin wurde heftig wegen ihres Schildes angegangen. Mehrfach bildeten sich Pulks um sie. U.a. eine junge, stark geschminkte und westlich gekleidete Frau warf ihr aggressiv vor, gerade ihren Glauben zu verraten. Ein älterer Mann zischelte uns mit „Shaytan“ an.
Plötzlich skandierte es von hinten, mehrere junge Leute hatten ein kleines Schild mit der Aufschrift „Stoppt Rassismus“. Sie traten sehr bestimmt auf und waren zunächst sehr erbost über unsere Mahnwache. Sie waren wohl von der Antifa. Nach kurzem Gespräch konnte jedoch geklärt werden, dass wir zum einen keine Rassisten sind und zum anderen sie irgendwie die falsche Veranstaltung erwischt hatten.
Es bildeten sich immer wieder Pulks von jüngeren muslimischen Personen, die teilweise der „Akhi-Szene“ zuzuordnen wären. Sie umringten die Teilnehmer und es wurde etwas unübersichtlich. Wegen meines Schildes „Frankfurt zeigt Gesicht gegen Islamismus“ wurde ich von einem jungen, großen Mann mehrfach verächtlich mit „Du bist hässlich“ angemacht.
Ein bereits einige Male aufgefallener senegalesischstämmiger Altenpfleger versuchte wieder aggressiv, die Menge aufzuwiegeln. Er berief sich dauernd auf Allah und wertete uns „Ungläubige“ ab. Man skandierte vereinzelt „Allahu akbar“ und nahm eine gespannte Haltung ein. Dieser Mann wird nebenbei von den Herrschaften von der LIES!-Truppe mittlerweile als aufrechter Kämpfer für den wahren Glauben gefeiert, weil er bei uns immer wieder vorbeigeht und versucht, mit seiner lauten Stimme die Menge gegen uns aufzubringen, noch mehr, als sie es schon ist. Verschiedentlich war eine Eskalation zu befürchten, was aber wegen der umsichtigen Polizei, die sich in die Menge hineinbewegte, unterblieb.
Zwischen einem Teilnehmer und einem jungen Mann, vielleicht 18 und sehr kräftig, entspann sich eine aggressiver geführte Debatte. Es stellte sich heraus, dass er Pierre Vogel Anhänger war. Sein Vater wollte ihn ständig wegziehen, meinte, dass die Diskussion mit uns eh nicht lohne (man konnte sehen, wo der Junge das herhatte).
Gegen Ende der Veranstaltung sprach ich länger mit einem jüngeren Ahmadi. Er verurteilte die Pariser Taten, stellte jedoch gleichzeitig in Frage, dass diese islamisch begründbar seien.
Im Grunde demnach die Linie, wonach nur der eigene Islam „DER Islam“ sei, hingegen die anderen, die sich auf den Islam berufen und anderes aus den Texten herleiten, in dem sie sie wörtlich nehmen, im Prinzip keine echten Gläubigen seien. Wir sind dann – weil es hinsichtlich der Islamisten, die er nicht so genannt haben wollte – etwas abgeschweift und kamen auf Frauenrechte und Rechte von Homosexuellen. Der Verweis auf die GleichWERTIGKEIT von Frauen vor Allah war der übliche Versuch, von den minderen Rechten im Diesseits abzulenken. Homosexualität sah er als etwas Unnatürliches und im Grunde nicht statthaftes an.

In der Gesamtschau erschüttert, wie wenig man durch den Pariser Terrorakt betroffen war. Das hatte wohl nach Sicht der Unterstützerszene und auch etlicher muslimischer Passanten nichts mit dem Islam zu tun, wohingegen gegen uns vorzugehen sei. Der Angriff auf ihren Glauben durch unsere paar Schilder wog schwerer als der angebliche Missbrauch ihrer Religion durch die Terroristen. Man könnte jetzt zynisch anmerken, dass es für manche Muslime schwerer wiegt, wenn Ungläubige ihren Glauben nach ihrer Sicht in Frage stellen als wenn Menschen, „Ungläubige“, getötet werden. Irgendwie scheinen die Opfer selbst schuld, sie haben halt provoziert, während die Täter nur irregeleitete Brüder sind. Anscheinend zögert man, über diese Brüder selbst zu urteilen, weil man sich der Sicht Gottes da nicht sicher scheint; hinsichtlich des angeblichen Urteils ihres Gottes zu Gotteslästerung und Kritik scheint man sich jedoch ganz sicher zu sein. Aber so zynisch möchte ich nicht sein.
Ich glaube und hoffe, dass dies eine Mindermeinung ist….“

Es sind also die immer wieder kehrenden Floskeln, das Abwehren von vernünftiger Argumentation, die eigene Unfähigkeit zur Differenzierung zwischen „Islamhass“ und dem Vorgehen gegen Islamisten, die erschreckend geringe politische und gesellschaftliche Bildung und das fehlende Interesse, auf welches Menschen stoßen, deren einzige Absicht es ist, das Zusammenleben aller Menschen unserer Gesellschaft vor Extremismus zu schützen.
Es ist also im Kleinen wie im Großen – man verweigert sich einer sachlichen  Diskussion mit denjenigen, die man als Feinde betrachtet- sei es nun Pegida, oder vereinzelte Menschen aus der Mitte der Gesellschaft.
Lösen wir damit die Probleme, die wir unzweifelhaft bereits seit langem haben?
Es mehren sich die Stimmen aus der muslimischen Gemeinschaft, die offenbar verstanden haben, worum es geht. Die trotz ihrer Religion nicht ihre Fähigkeit zur Kritik und Selbstkritik verloren haben. So wie Ahmad Mansour , muslimische Psychologe und Jugendarbeiter. Und was er sagt, ist nichts anderes, als viele Menschen es formulieren würden, wenn mann ihnen denn zuhören würde:

Palästinensischer Islamspezialist Ahmad Mansour aus Hamburg

Dezidierter Verfechter eines neu verstandenen, demokratischen Islam: Ahmad Mansour in der Berner WKS-Aula.Bilder Matthias Käser Bild: Matthias Käser

„Ich kritisiere nicht den Islam an sich, sondern problematische Inhalte dieser Religion. Ich versuche zu differenzieren. Der Islam, den meine Mutter lebt, ist nicht der Islam der IS-Terroristen, der Muslimbrüder oder der politischen Verbände, die in Europa die Muslime vertreten wollen. Was ich problematisch finde, sind religiöse Inhalte wie die Angstpädagogik. Dass also Kinder mit einem Gott aufwachsen, der mit Himmel, Hölle und Strafe droht und keine Zweifel an seinem Wort im Koran zulässt. Ich kritisiere, dass die Sexualität tabuisiert und als Sünde betrachtet wird. Dass Jugendliche nicht frei entscheiden können. Ich kritisiere einen buchstabengetreuen Glauben. Das sind Religionsinhalte, die wir in einer demokratischen Gesellschaft nicht akzeptieren dürfen. „
Der Graben zwischen Muslimen und Nichtmuslimen wächst?
„Leider ja. Aber ich habe die Hoffnung, dass es genug vernünftige Menschen gibt, die eine Gegenkraft bilden und die freiheitlichen Werte verteidigen. …“
(Quelle)
Diese Hoffnung teilen wir und fordern, dass auch die Politik endlich mit der gebührenden Differenzierung auf die Menschen zugeht, die weder dem rechten noch dem linken Lager zuzuordnen sind, sondern denen einfach das weitere friedliche Zusammenleben der verschiedenen Kulturen hier im Land und Europa am Herzen liegt, die ungeachtet ihrer Sicherheit und gelassen gegenüber persönlichen Anfeindungen, gegen Extremismus jeglicher Art auf die Straße gehen, denn eines muss uns klar sein – auch der Terror profitiert von der Globalisierung der Welt und wir sind nur ein Teil von ihr.

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