Islam.ist.in – eine Volontärin blickt durch

Als Volontärin bei einer großen Zeitung hat man es sicher nicht leicht, will man ja erst in den Olymp des Journalismus aufsteigen. Was bietet sich da, in Zeiten des „zunehmenden Islamhasses“ mehr an, als ein Artikel, in dem man eine Lanze für den Islam brechen möchte.
Da greift man auch gern ganz tief in die Kiste der Aktualitäten von gestern und fördert etwas zutage, was wir schon im Jahr 2013 zur Kenntnis genommen haben – nicht nur via Facebook, sondern auch im realen Leben.
Aber von vorn:

„Muslima kämpft gegen Vorurteile“ nennt Elena Müller ihren Artikel über eine „junge Berliner Muslima“ die also gegen Vorurteile kämpfen möchte, indem sie Umhängetaschen kreierte, die den Aufdruck tragen “ Islam.ist.in“.
Das soll provozieren und in der Tat – das tut es, denn die jungen Frauen, die diese Taschen tragen sind vollverschleiert (bis auf die Augen)
Sahira Awad, so heißt die junge Frau, deren Idee diese Tasche entstammt , hat keine Lust mehr auf die Vorurteile, die Musliminnen mit Kopftuch entgegen gebracht werden. Man könnte nun sagen, dass sie schließlich nichts dafür könne, dass auch Sympathisantinnen der Salafistenszene bei entsprechenden Aufrtitten Vogels mit diesen Taschen auftauchten. Natürlich weniger um Vorurteile abzubauen, sondern einzig zur Provokation, die dem angeblichen Anliegen von Frau Awad natürlich einen Bärendienst erweist. Jedoch ist sie darüber einzig „belustigt“.
Man solle seine Entrüstung hinterfragen, so Frau Awad und sie bemängelt, dass man in Deutschland schnell in eine Schublade gesteckt werden würde, nämlich die des „Islamisten oder Salafisten“.
„Islamistin ist doch nur eines der abstrakten Wörter, mit denen ihr rumspielt“, urteilt die junge Frau über die Berichterstattung. Man solle genau hingucken und nicht oberflächlich urteilen. „Ich bringe das Wort in einen anderen Kontext – und schon hat es seinen gefährlichen Klang verloren.“
(Quelle Frankfurter Rundschau)

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Ehrlich gesagt ist mir der Klang des Wortes ziemlich egal, und mein Satire-Gen kann auch mit diesem Wortspiel ganz gut umgehen. Jedoch hört für mich der Spaß auf, wenn ich noch etwas tiefer grabe, sowohl in meinem Gedächtnis, als auch im Internet, denn so dunkel erinnere ich mich, bereits im letzten Jahr gelesen zu haben, wie für eben diese Taschen eifrig geworben wurde – Sie werden es kaum glauben : natürlich auf den einschlägig bekannten Seiten , wie z.B.,der „Idealen Muslima“.
Und schaut man sich die Seite der jungen „Berliner Muslima“ an, so wird man ebenfalls schnell fündig.
Gruppen wie  „Einladung zur Wahrheit“ , „Auflehnung gegen Tradition für einen reinen Islam“ und „Sunniforum.de (Deutsch) – Der wahrhaftige Weg des Islam“
lassen nicht gerade auf einen Umgang schließen, dem daran gelegen ist, Vorurteile abzubauen, sondern der im Gegenteil Vorurteile schafft und/oder bestätigt. Hier treffen wir viele unserer Vogelkinder wieder, Freunde von „Helfen in Not“ ( Verfassungsschutz warnt)  und anderen obskuren Vereinen, einträchtig versammelt im „Kampf“ gegen uns Ungläubige.
Und dann gibt es da noch ein Interview, in dem sie auf die Frage, wie denn die Idee entstand, antwortet:
„Schau es war so: Ich habe mein Leben lang Musik gemacht, selbst komponiert, selbst getextet – ein sehr kreativer Prozess. Vor ein paar Jahren habe ich mich entschlossen die Musik aufzugeben, da ich durch das Lesen von Hadithen und anderen Texten gemerkt habe, dass ich das nicht mehr verantworten kann. Als Frau auf der Bühne, Musik, Instrumente… alhamdulillah, es ging einfach nicht mehr….Ich hoffe durch meine Taschen Schwestern zum Schmunzeln zu bringen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Sie sollen sagen können: „Ich bin Muslima und bin stolz darauf. Ich muss mich nicht verstecken!…“

Ja, dass Musik „haram“ (verboten) ist, darüber werden wir ja ständig aufgeklärt, jedoch nicht von den Muslimen, die ganz sicher nicht solche Taschen tragen, sondern von denen, welchen wir uns liebevoll seit Jahren widmen.
Solche Zusammenhänge zu begreifen erfordert schon etwas mehr Einblick in die Materie, als Frau Müller offenbar hat.
Wenn man also eine Lanze für all die Muslime brechen möchte, die in unserer Gesellschaft ihren festen Platz gefunden haben, so sollte man sich von jenen fernhalten, die einem Kalifat gedanklich doch so offensichtlich näher stehen als unserer demokratischen Grundordnung – denn:
Ein Muslim und eine Muslimin, die sich mit unserer Gesellschaft identifizieren, die hier ihren Platz gefunden haben, denen die Werte unserer Gesellschaft ebenso wichtig sind wie ihr Glaube – diese haben solche Taschen nicht nötig ( trägt ja der Christ von nebenan auch kein Kruzifix auf seinem Stoffbeutel). Und es gibt sie, liebe Frau Müller!
Und noch eins:
Vorurteile beseitigt man mitnichten durch Provokation, sondern, indem man aufeinander zugeht, vorausgesetzt, man will es!

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