Allein auf weiter Flur?

Dieser Beitrag ist uns als Gruppe, die sich seit nunmehr rund 5 Jahren der Aufklärung um das Thema Salafismus widmet, ein Anliegen, mit dem wir zwei Dinge erwähnen möchten:
Wir danken einerseits unseren vielen Unterstützern! Denen die uns mit Informationen versorgen, denen, die unsere Botschaft weitertragen und auch denen, die unbemerkt von anderen, unsere Beiträge verfolgen und Informationen auswerten. Nicht zuletzt wegen Euch allen ist der „Boxvogel-Blog“ einer der meistgelesenen zum Thema. Wir erreichen inzwischen Leser weit über Deutschland und Europa hinaus, und werden sogar in Ägypten, Tunesien, Irak und Iran gelesen.
Dafür unseren großen Dank!
Natürlich sind die meisten Follower hier in Deutschland beheimatet, was uns dann zu dem Punkt bringt, der uns bewegt, denn allein durch unsere Aufklärung im Internet können wir nur sehr wenig bewegen, was aber in Zeiten der zunehmenden Radikalisierung hier im Land sehr wichtig ist.
Deshalb fragen wir Euch: Wollen wir den Protest gegen radikale Islamisten, von denen Salafisten nur eine Gruppe sind, anderen Radikalen überlassen ?
Wollen wir wirklich, dass sich die rechte Szene und Hooligans das Thema Islamismus „unter den Nagel reißt“ um ihre Affinität zu Gewalt zu „legitimisieren“?
Kann es sein, dass die bürgerliche Mittelschicht im Land, die weder mit Links-, Rechts- oder anders geartetem Extremismus etwas am Hut hat, nicht den Mumm, die Zeit oder Traute hat, dies öffentlich klar zu machen ?
Wie können wir uns empören, dass moderate Muslime nicht gegen religiösen Fanatismus und die Gewalt der IS auf die Straße gehen um sich klar zu differenzieren, wenn wir es selbst nicht tun ?

Seit ca 8 Wochen bewerben wir die regelmäßigen Mahnwachen in Frankfurt a.M. , die eine kleine Gruppe engagierter Menschen auf die Beine gestellt haben. Seit Wochen rufen wir auf, Euch zu beteiligen, wenn Ihr die Möglichkeit habt. Allein aus FFM haben wir über 40 regelmäßige Leser, das Umfeld noch nicht eingerechnet, und trotzdem steht eine kleine Gruppe von weniger als 10 Leuten, seit Wochen auf der Zeil um auf unser Anliegen aufmerksam zu machen.
Das ist eine traurige Bilanz und vor allem dann, wenn man sieht, in welch kurzer Zeit sich Salafisten landübergreifend organisieren, und in welchen Zahlen diese auftreten, dass sich Hooligans und die rechte Szene ebenfalls länderübergreifend zusammen tun und innerhalb von Tagen Massen bewegen.

Und der Rest des Landes schweigt oder philosophiert wortreich im Internet  über die Untätigkeit der Politik.
Wir überlassen damit unser Land Gruppierungen, deren Erstarken all das zerstört, was wir uns in den vergangenen Jahrzehnten mühsam aufgebaut haben.
Es sind stets immer wieder die selben engagierten Menschen, die sowohl ihre Freizeit opfern, als auch öffentlich die Stimme erheben, ungeachtet der gegen sie gerichteten Angriffe, die eben nur möglich sind, weil diese Menschen wenig Rückhalt in der Öffentlichkeit haben. Man fragt sich da mitunter, wo sind denn all die Fans von Dieter Nuhr, die plötzlich seine Seite liken, die extra Gruppen gründen um „Solidarität “ mit ihm zu beweisen? Dort folgen mehr als 39.000 Menschen der Seite.

Es mag sein, dass Euch unsere Vorwürfe erstaunen und Ihr vielleicht mehr Wert auf unsere humorvollen Angriffe auf die salafistischen „Trachtenmoslems“ legt –  doch sehen wir uns nicht allein als Eure Unterhalter, sondern als Aufklärer und Vernetzer der Menschen, die wirklich etwas auf die Beine stellen wollen.
Es ist unbequem, sich zum Handeln aufzuraffen- aber es ist eine unbequeme Zeit und wenn nichts geschieht, dann wird „unbequem “ noch eine nette Umschreibung sein, für die Zustände hier im Land, die uns erwarten.
Schimpft nicht nur auf Politik und Sicherheitsorgane, tut selbst etwas und zwingt sie damit zum Handeln- es gibt genug Menschen, die uns dabei den Rücken stärken!!

Zum Abschluss, für alle, die es interessiert, hier der Bericht eines Teilnehmers der letzten Aktion in FFM:

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Mahnwache vom 01.11.2014

Ein paar Eindrücke als Streiflichter

„Wir begannen wegen des Endes der Sommerzeit gegen 15 Uhr und hatten das Ende auf 17 Uhr angesetzt. Von der Polizei wurden wir dieses Mal besonders umsichtig betreut und beschützt, sie bildeten von Anfang an fast einen lockeren Ring um uns. Schon bei mittleren, nach den Erlebnissen der letzten Wochen von uns als recht harmlos eingestuften Debatten ohne gruppenweises Umringen wurde entweder dezent interveniert oder wir gefragt, ob alles in Ordnung sei. Vielen Dank dafür, wir haben uns besonders sicher gefühlt dieses Mal.

Die Unterstützerszene fehlte dieses Mal fast völlig. Es gab einmal eine kleinere Welle, ansonsten fast ausschließlich Ansprache und Diskussionen mit bis zu 5 Personen gleichzeitig. Die sonst übliche Umringung mit einer Menschenmenge an aggressiven jungen Menschen bis 20 und in Trupps etwa fand nicht statt.

Ein junger Mann keifte (ich muss diesen Ausdruck leider wählen, weil er die Art des Ansprechens am genauesten beschreibt) mich im Vorbeigehen von der Seite an, ich sei „genauso schlimm wie der IS“. Ich fragte zurück, ob er nicht zwischen einfacher und friedlicher Meinungskundgabe und brutalen Handlungen unterscheiden könne. Er blieb dabei und wiederholte mehrfach diese Sicht, die er wütend vortrug.

Auch mit der Meinungsfreiheit auf Kriegsfuß stand eine jüngere Frau, die leicht aggressiv meinte, ich solle das Plakat herunternehmen, es sei beleidigend. Auf die Gegenfrage, was genau sie beleidige, konnte sie nicht recht antworten, beharrte aber auf ihrer Forderung. Wir schieden damit, dass sie mit meiner Meinung wohl leben müsse genau wie ich mit ihrer.

Ein junger muslimischer Mann und später eine jüngere muslimische Frau fragten zunächst und hörten sich die Erläuterung an. Sie legten Wert darauf, dass der IS-Terror nicht in ihrem Namen statt fände. Auf die Entgegnung hin, das sei schön, ich sei dafür aber der eher ungeeignete Gegenpart, sie müssten das den Männern am „LIES!“-Stand darlegen, bekundeten sie, das tun zu wollen.

Mehrfach wurde ich abfällig gefragt, was das denn bringen würde, von jüngeren Muslimen. Eine Mutter ging mit ihrer erwachsenen Tochter vorbei, mitteleuropäisch gekleidet, und wollte nur loswerden, wie übel sie meine Haltung fände. Diskutieren wollte sie dies aber nicht, sondern wollte nur schimpfen.

Dieses Mal wurde nur seltener der Begriff Islamismus beanstandet. Die Erläuterung dazu wurde von ungefähr der Hälfte der Nachfragenden verstanden, von der anderen Hälfte nicht, die dann weiter darauf beharrte, sich beleidigt zu sehen.

Ein junger Mann bemängelte, dass eines der Schilder, auf dem das Wort „Koran“ stand, auf dem Boden läge; dies beleidige ihn, dies sei respektlos. Ich fragte nach, warum er dies so sähe und ob man ihm diese Sicht nicht einfach nur beigebracht habe. Er meinte, wenn wir dieses Schild so dahin legten, wäre dies Zeichen der Missachtung. Ich erklärte ihm, dass ich Menschen achten würde. Über Meinungen und Inhalte müsse man jedoch immer, immer friedlich reden können. Und einzelne Worte seien erst recht nichts, wovor man Respekt bekunden müsse. Es sei ziemlich weit hergeholt, nicht nur vor Muslimen (als Menschen wie andere auch) die übliche und normale Achtung zu haben, sondern auch einem Buch und sogar einem Wort für das Buch sogar physisch Respekt zu zollen. Ich erklärte ihm, dass er es gerne so halten könne, schon ein einzelnes Wort mit Ehrfurcht zu bedenken, dass dies aber nicht mein Glauben und meine Aufgabe sei. Menschen hätten meine normale und übliche Grundachtung, unabhängig von allen sonstigen Attributen, heilige Worte, bei denen ich Rituale einhalten müsse, gebe es für mich jedoch nicht. Ich würde ja auch nicht zuallererst bemängeln, dass es in dem Buch höchst unfreundliche Passagen zu Ungläubigen gebe. Dies sei erst problematisch, wenn man das ins Zentrum stelle und wörtlich nehme. Das verstand er ungefähr und schien nachdenklich beim gehen.

Mehrere Passanten dankten für das Engagement und bekundeten Erleichterung, dass „dem endlich mal jemand öffentlich widerspricht“.

Ein junger, unauffällig gekleideter Mann meinte im Vorbeigehen leicht aggressiv, ich würde „das Volk verhetzen, begehe eine Volksverhetzung“. Ich widersprach, er blieb dabei, woraufhin ich ihm nach rief, er könne ja gerne Jura studieren, dann werde er dies schon begreifen.

Mir wurde dieses Mal bei der Mahnwache kein einziges Mal vorgehalten, ich sei Affe oder Schwein. Das ist ja auch schon etwas.

Zweimal wurde gefragt, wo denn der Protest gegen christliche Taten sei. Die Begründung mit der Aktualität wurde akzeptiert dieses Mal. Ebenfalls zweimal hatte ich den Eindruck, dass die betreffenden Personen noch nie mit einem Atheisten debattiert hatten. Ihre ganze Argumentationslinie, mit der sie wohl punkten wollten, dass sie ja auch nichts gegen Christen sagen würden oder (!) gegen die Untaten kirchlicher Würdenträger, implodierte, als ich mich als Atheistin outete und meinte, sie könnten nach Belieben gegen die kirchliche (Nicht-)Aufarbeitung protestieren, wenn sie das für aktuell wichtiger hielten. Dies sei ein freies Land. Mir schien, dass sie auf eine solche Argumentation einen schuldbewußten Duckreflex erwarteten und nicht die fröhlich-kernige Entgegnung, dass ihnen ein solcher Protest natürlich jederzeit möglich sei und akzeptabel,wenn er friedlich ist. Viele erscheinen sehr unfrei im Geiste und einige noch sehr stark im „Auge um Auge“-Denken verhaftet.

Verschiedentlich fragten mich jeweils zwei muslimische Männer, ob ich etwas gegen sie hätte und was das Plakat solle. Ich erklärte es ihnen und dass es mir völlig egal sei, was sie privat seien und was sie an Glauben privat auslebten, so lange sie Nicht- und Andersgläubige und Frauen als gleichberechtigt sähen und das Grundgesetz über jede – auch ihre – Religion stellten sowie die FDGO achteten und nicht abschaffen wollten. Sie meinten, dass das ja sogar im Koran stünde. Ich entgegnete, dass wir dann gar kein Problem damit hätten. Das wäre dann ihre Sicht und die wäre ok. Das fanden sie akzeptabel und so schieden wir freundlich.

Zweimal wurde ich von Personen, die völlig ungebildet schienen von der Ausdrucksweise her, von der Seite angemacht, ich sei dumm und sollte erst mal lernen. Da eine Diskussion nicht möglich war, empfahl ich dies ebenfalls warm.

Andere jüngere Muslime, mit denen ich redete, stimmten mir zu, dass diese Radikalisierungen aufhören müssten. Ein jüngeres muslimisches Paar, möglicherweise aus dem südosteuropäischen Raum eingewandert und völlig unauffällig in der Kleidung, meinte, man solle „diese Radikalen ausweisen, es gäbe doch genügend Länder, in denen sie glücklich werden könnten unter der Scharia“.

Zwei ägyptische Männer, wohl Christen, erzählten wie schrecklich „dieser brutale Hass“ sei und wie wenig man dann, wenn das erst einmal losgebrochen sei, mit denjenigen sprechen könne. Man habe sie in Ägypten verfolgt, eine (wohl ihre) Kirche angezündet. Sie fänden es bestürzend, „so etwas in Deutschland“ vorzufinden. Meine Anmerkung, wir müssten als Bürger auch deswegen dagegen etwas sagen, weil viele Menschen vor genau so einem Hass zu uns geflüchtet seien, fand ihre ungeteilte Zustimmung. Da sie unmittelbar nach Ende der Aktion ankamen, wollten sie das nächste Mal gerne dabei sein.

Man kann über die Sinnhaftigkeit einer solchen Aktion sicher unter Zeitmanagement-Gesichtspunkten nachdenken. Aber: Sind wir nicht schon zu sehr darauf fixiert, dass alles, was nicht sofort Erfolg hat, für wenig fruchtbringend gehalten wird? Sollte man als Demokrat wenn schon nicht aus Stolz, dann aus Pflichtgefühl einen mindestens so langen Atem haben wollen wie Fanatiker? Ist nicht die Debatte auch etwas wert? Im Umfeld wurde wieder reichlich diskutiert, auch wenn man nicht direkt zu uns herantreten mochte. Ja,es geht primär um diese Radikalisierungen an den LIES!-Ständen. Aber auch darum, eine längst überfällige ehrliche Debatte ohne falsche Scheu und ohne unangemessenen Paternalismus zu führen. Auch dazu mag die Aktion beitragen.

Wir wurden im größeren Trupp zum Parkhaus begleitet und noch bis zum Auto gebracht. Im Parkhaus fielen unseren umsichtigen Begleitern 3 Personen auf, die sie auch am Rande unserer Mahnwache beobachtet hatten. Das kann Zufall gewesen sein, man wollte jedoch ganz sicher gehen und drehte erst ab, als wir sicher im Auto saßen. Herzlichen Dank noch einmal für dieses Engagement.“

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2 Kommentare zu „Allein auf weiter Flur?

  1. Hallo Herr E,

    ich habe Ihre Seite nie als Juxseite betrachtet, sondern eher als Aufklärungsseite, Es erschreckt mich, dass bei den Mahnwachen so wenige Menschen sind, und die Personen, die ganz klar und deutlich ein Zeichen setzen, und für ihr Engagement noch zusätzlich verbal angegriffen werden, und leider stelle ich auch immer wieder fest, dass auch ganz viel Aufklärungsarbeit angesagt ist, die sich öffentlich zwar immer äussern, ISIS sei nicht ihr Islam. Nach wie vor ist es für mich unverständlich, dass dort ein Krieg im Namen des Islam, Allahs geführt wird,von dem sich viele Muslime zwar verbal distanzieren, aber ansonsten nichts dagegen tun,-
    Leider ist mir die Anreise nach Frankfurt zu weit, und ich zolle dieser Gruppe auch meinen Respekt und meine Hochachtung.

    Grundsätzlich gehe ich mit Ihnen konform, dass keinesfalls die Demos der HoGeSa unterstützt werden darf mit dem wie sich da die Konstellation Seite an Seite mit PRo NRW und Neonazis zeigt.
    Der Ansatz , der Gedanke der bei HoGeSA einmal war, ich bekam es bei Facebook mit, war mal gut. – Leider ist das in eine völlig andere Richtung gegangen, und das Ruder hatte schon in Dortmund nicht mehr HoGeSa in der Hand, sondern Pro NRW.
    Leider sind auch bei den Hooligans die gleichen geistigen Tiefflieger zu beobachten, wie in den Reihen der Anhänger der bekannten Prediger.
    Ohne selbst nachzudenken wird einfach mitgemacht.

    Ich verurteile aufs Schärfste die Ausschreitungen in Köln.

    Sie haben Recht, dass viel zu wenige Menschen sich erheben, sich Mahnwachen und friedlichen Demonstrationen anschliessen im Kampf gegen Salafisten.
    Trotzdem frage ich mich nach wie vor, warum so wenig von Seiten der Politik passiert.

    Nur Symbole zu verbieten ist zu wenig!

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