Information zu festen Aktionen gegen Salafisten

Wie wir Euch schon in der letzten Woche informierten, gibt es eine Gruppe engagierter Bürger, die Aktionen in Form von Mahnwachen in der Innenstadt von Frankfurt a.M. durchführen.
Hier werden wir die Termine veröffentlichen und natürlich ist rege Teilnahme erwünscht!

mahnwache2Für mehr Informationen fragt den Boxvogel , oder geht direkt auf die Facebook-Seite der Organisatoren

aktualisiert: 30.09.2014

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Abdul Adhim Kamouss – Das zweite Gesicht

Am 28.09.2014 hatte ER seinen „großen Auftritt“- Imam Abdul Adhim Kamouss … 

Fast ungestört durfte er bei Jauch predigen und sich über die zunehmende „Islamophobie“ in Deutschland auslassen. Während Jauch als Moderator kläglich versagte und Bosbach und Buschkowsky die Resignation anzumerken war, dozierte Kamouss über sich selbst und seine Fähigkeiten viele Muslime zu erreichen, andere (wenige) nicht. Wer seinen Worten gefolgt ist, seine Gestik beobachtet hat, dem wurde schnell klar, hier ist es offensichtlich ein antrainiertes „Charisma“ aus der Mischung von überheblichem Lächeln und gestelzten, artig gewählten Worten, welches auch der letzten Konvertitin ein Seufzen unter dem Niqab entweichen lassen und dem Bruder im Geiste ein kräftiges „Mashallah, Du bist der Beste“


Günther Jauch - Sendung aus dem Gasometer

Jedoch ist der denkende Mitbürger sich über eines im Klaren: Nicht jeder, den Salaf folgenden, ist mit Dummheit geschlagen und das Lügen und Betrügen der Kufar ja quasi ein Gebot des Propheten. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass der Imam offensichtlich auf seinen Auftritt besser vorbereitet war als der Moderator und die gesamte Redaktion, denn es grenzte schon an Peinlichkeit, dass die Redaktion über keine aktuellen Youtube-Clips oder andere Belege verfügte, die den wahren Imam entlarven konnten.

Aber auch diesmal kann man sich nur bedanken, sowohl bei einem unfähigen Moderator, als auch beim Imam selbst, denn der Auftritt schlug mediale Wellen. Während seine Anhänger natürlich den Auftritt feierten, sich aber gleichzeitig über die „Herabsetzung“ „der Muslime“ und die Niederträchtigkeit eines Heinz Buschkowskys ausließen, dessen Blutdruck ihn wohl (was man nachvollziehen kann) zu der Äußerung, der Imam möge doch endlich die Backen halten, veranlasste (mein einziger Lacher an diesem Abend), so sehen sich nun auch diejenigen zu einer öffentlichen Äußerung  veranlasst, die den Schönredner Kamouss seit Jahren auf ihrer schwarzen Liste haben und das natürlich zurecht:

„…Ein nicht-näher beschriebener Ermittler sagte: „Kamouss hat seit langer Zeit einen sehr großen Einfluss auf die Berliner Islamisten-Szene. Während er sich vor Jahren noch offen sehr aggressiv und extremistisch äußerte, ist er mittlerweile öffentlich gemäßigter.

Allerdings geht der Ermittler davon aus, dass Kamouss zwei Gesichter habe, „eins für die Öffentlichkeit, das andere nach innen“. Intern sei er demnach wohl radikaler als vor der Kamera.“
Auch Auftritte Kamouss‘ mit bekannten Islamisten wie dem Pierre Vogel oder dem deutschen IS-Kämpfer Desso Dogg sind bekannt. „

http://www.spiegel.de/kultur/tv/guenther-jauch-imam-abdul-adhim-kamouss-spricht-nicht-fuer-die-muslime-a-994604.html

Hier einige Reaktionen der Zuschauer nach der Sendung

Natürlich hat Kamouss zwei Gesichter, ebenso wie ein Pierre Vogel oder ein Abou Nagie, und natürlich wissen sie, wie sie sich zu bewegen und zu äußern haben um den schmalen Grad der Legalität nicht zu verlassen. Schließlich ist nicht die ganze salafistische Ummah mit Deppen a la Sven Lau besetzt.

Dass gerade dieses zweite Gesicht das eigentlich gefährliche an solche Brandstiftern ist, beginnt man gerade zu begreifen und wir werden weiterhin alles dafür tun, ihnen ihre Maske herunter zu reißen.

Unser Artikel und der Link zur Mediathek hier

Buchempfehlung

Die andere Gesellschaft

In diesem Buch beschäftigt sich Heinz Buschkowsky mit der Frage, wie unsere Gesellschaft durch Migration verändert wird. Echte Integration versus Parallelgesellschaften. Werden wir einen gemeinsamen Weg finden?

Auf welche Werte kommt es dabei an? Warum sind viele Einwandererin ihrer neuen Heimat traditionsbewusster, als sie es am Herkunftsort waren? Warum zelebrieren sie oft das Anderssein? Was interessiert sie wirklich an Deutschland?

Für sein neues Buch hat Bestsellerautor Heinz Buschkowsky mit Sozialarbeitern gesprochen; er lässt Imame und Islamaussteiger zu Wort kommen, verschleierte Frauen, die nicht allein ins Kino dürfen,und Männer, die von großen Autos träumen, aber Hartz-IV-Empfänger sind. Heinz Buschkowsky entwirft einaufrüttelndes Szenario für die Zukunft. Wird sich unsere Gesellschaft zu einer anderen entwickeln?

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… ab heute im Handel…

TV- Tip : Gewalt im Namen Allahs – wie denken unsere Muslime? v. 28.09.2014

Seit Monaten beherrschen die Bilder der brutalen Terrorgruppe IS unsere Nachrichten. Unzählige Menschen wurden bereits von den Islamisten hingerichtet und gefoltert, ganze Landstriche sind in der Gewalt der Terroristen.

Ein hochgehaltener Koran und geballte Fäuste auf einer Demonstration © imago/Olaf Döring

Mehr als vier Millionen Muslime leben in Deutschland.

Die Berichte aus Syrien und Irak bleiben auch in Deutschland nicht folgenlos – in den Reihen der Terrorgruppe befinden sich junge deutsche Muslime, die sich radikalisiert haben und bereit sind, in den Dschihad zu ziehen. Und obwohl die meisten der mehr als vier Millionen hierzulande lebenden Muslime Gewalt ablehnen, wächst das Misstrauen vieler Menschen gegenüber dem Islam und seinen Anhängern.

Unterdrückung von Frauen, Kopftuch und Burka, undemokratisch, rückwärtsgewandt – die Vorurteile gegenüber Muslimen sind mannigfaltig. Die Nachrichten von terroristischen Anschlägen und Aktionen wie die Koran-Verteilung oder die Scharia-Polizei tun ihr Übriges und hinterlassen bei vielen Menschen ein diffuses Gefühl der Angst und Ablehnung.

Wie berechtigt ist die Furcht vor dem Islam? Was hat die Religion mit dem Morden und dem Terror der IS-Truppen zu tun? Welche Gefahr geht von deutschen Dschihadisten aus? Wie stehen unsere Muslime zum Islamismus?

Für alle, die die Sendung gestern nicht sehen konnten, hier der Link zur Mediathek

Gäste des TV-Runde:

Wolfgang Bosbach, CDU
Vorsitzender des Bundestags-Innenausschusses

Abdul Adhim Kamouss
Imam in Berlin, freier islamischer Prediger
auch über ihn haben wir bereits 2013 berichtet

Heinz Buschkowsky, SPD
Bezirksbürgermeister Berlin/Neukölln

Özlem Gezer
Redakteurin „Der Spiegel“

Stefan Buchen
NDR-Journalist bei Panorama

Medienkritik dazu vom Tagesspiegel (völlig berechtigt, wie wir leider anmerken müssen )

Mit Engagement zum Ziel – Bericht über die Aktion vom 27.09.2014

Vor wenigen Tagen haben wir Euch Informationen zu der wöchentlich stattfindenden Mahnwache gegen Salafisten in Frankfurt a.M. gegeben.
Nach der gestrigen Aktion hier für alle, die unseren Post weiterverlinkt und geteilt haben,Auszüge aus dem Bericht eines Telnehmers.

„Der gestrige Tag war ein weiterer Schritt im Kampf gegen die Islamisten.
Um 16 Uhr stellten wir uns vor Ort (der Zeil) auf und hielten unsere Plakate hoch. Auch war die anfängliche Reaktion der Menge wieder die gleiche, wie bei der letzten Aktion. Plötzliche Stille… , dann die Bildung einer Menschenmasse und die ersten Diskussionen!
Viele Jugendliche, …die auch schon beim letzten Mal eifrig ihre Religion verteidigten, waren heute wieder dabei und versuchten durch Spott und Hohn, aber auch mit sinnlosen Argumenten, die Aktion ins lächerliche zu ziehen. Es fielen Aussagen wie: „Isis ist von den USA finanziert.“ oder „Abu Bakr al Bagdadi (der Kalif und Chef von ISIS) wurde vom Mossad ausgebildet, um den Islam schlecht zu machen!“.
Die meisten dieser jungen Leute konnten und wollten auch diesmal wieder nicht zwischen Islamisten/Salafisten und Muslimen unterscheiden. Ein Dialog ist so unmöglich. Wir haben leider nicht die Geduld und die Zeit, jedem einzeln diesen Unterschied zu erklären. Das ist aber eigentlich eine Aufgabe für das Bildungssystem!
Ein Muslim, der sich beschwerte, warum auf unserem Flyer die Isis Flagge durchgestrichen ist, war taub gegenüber Aufklärungsversuchen. Stattdessen wurde er wütend über diese Tatsache und fing an „Allahu Akbar“ zu schreien. Außerdem gab es wieder vereinzelt pro Isis Parolen und andere „Allahu Akbar“ Rufe, sowie Nazi-Vorwürfe. Diesmal aber weniger als beim letzten Mal.
Abgesehen von diesem Mob, der uns die ganze Zeit belagerte, kamen viele Sympathisanten auf uns zu und nahmen sich Flyer mit, auf die wir den Link zu unserer Facebookseite geschrieben hatten und wann und wo wir immer demonstrieren. Es ist also nicht so, dass wir nur mit den Unbelehrbaren diskutieren, sondern wir bekamen auch viel Zuspruch.
Auch gab es wieder viele Unterstützer unter den Passanten. Ca. 10 Personen entschieden sich, für eine Weile, bzw. die gesamte Dauer der Mahnwache, bei uns zu stehen und Schilder hoch zu halten. Insgesamt waren wir ca. 20 Leute. Unter ihnen war auch diesmal wieder jemand aus Syrien, der nicht verstehen konnte, warum die Beteiligung so gering ist. Wir müssen viel mehr werden!
Leider gab es auch eine direkte Morddrohung („Ich werde dich töten!“), natürlich auf arabisch, gegenüber diesem arabischen Unterstützer. Der Täter wurde aber von der Polizei geschnappt und die Personalien aufgenommen. …
Als die Situation sich zuspitzte, bildete die Polizei einen Schutzkreis um uns herum, und trennte uns so von den potenziell aggressiven Jugendlichen. Insgesamt war die Polizei diesmal besser organisiert. Wir bedanken uns recht herzlich.
Die Salafisten vom Lies Projekt, gegen das wir hauptsächlich vorgehen, ließen sich auch heute wieder nicht vor dem MyZeil blicken. Stattdessen stehen sie seit 2 Wochen Samstags an der Konstabler Wache. Wir werden aber nicht locker lassen und wollen sie auch von dort vertreiben….“

Unser Dank geht an alle, die an diesem Protest teilgenommen haben und wir hoffen, dass sich auch bei den zukünftigen Aktionen immer wieder Menschen anschließen.
Wir sehen auch an Zuschriften und Reaktionen auf unseren Blog, dass das Interesse wäschst und mit ihm das Bewusstsein, dass etwas getan werden muss. Überlassen wir dies also nicht nur einer Handvoll mutiger und engagierter Menschen, sondern unterstützen wir sie dabei nach Kräften!
Unübersehbar ist auch nach diesem Bericht, dass von Seiten der Politik in Verbindung mit dem Bildungssystem endlich mehr getan werden muss. Der Fokus darf sich nicht nur auf Extremisten außerhalb Deutschlands konzentrieren, oder diejenigen, die bereits radikalisiert aus salafistischen Gruppen heraus in der Gesellschaft (un)tätig werden, sondern auf die vielen jungen Menschen, die noch über Jahre im Bildungssystem integriert sind –  hier muss der erste Ansatz der Aufklärung erfolgen. Das erfordert Kenntnis und Beharrlichkeit, aber vor allem politischen Willen!

Für mehr Informationen, hier der Link zur Facebookseite der Initiatoren
https://www.facebook.com/gegensalafis

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Mediales – Aufgepickt : Innermuslimische Debatte nötig

FAZ vom 22.09.2014

Ein anderer Islam ist möglich

Warum ist es für deutsche Muslime so schwer, die Hamas oder die Salafisten deutlich zu kritisieren? Und wie ließe sich das ändern? Ein Plädoyer für einen modernen zivilgesellschaftlichen Islam.

Eine innermuslimische Debatte über die modernistischen Bewegungen der letzten hundert Jahre und deren Auswirkungen auf das muslimische Denken ist dringend nötig, um den ideologischen Ballast des neunzehnten Jahrhunderts endlich loszuwerden. Der organisierte Islam scheut diese Form der Auseinandersetzung und Selbstkritik.

Traditionell ist die Moschee die Institution, die das gemeinschaftliche Leben der Muslime prägt. Moscheen sind nicht nur Gebetsräume, sondern lokale Einrichtungen, die den Muslimen bestimmte Dienstleistungen anbieten. Das war in der Geschichte schon immer so: Rund um den Gebetsraum fanden sich im Moscheekomplex Stiftungen, Märkte, Bibliotheken, Armenküchen und andere karitative Einrichtungen. Sie waren Zentren einer lebendigen muslimischen Zivilgesellschaft mit spirituellen, sozialen und vor allem ökonomischen Komponenten.
Die meisten Moscheegemeinden in Deutschland sind heute eingetragene Vereine, oft eingebunden in große, zentral agierende Dachverbände. Dieses Modell des politischen Islams basiert auf der Idee, über möglichst viele Mitglieder zentral zu entscheiden; es folgt der Vorstellung, dass Macht organisierter Wille sei. Die Funktionäre dieses organisierten Islams streben die politische Anerkennung an und den damit verbundenen Zugang zu den Geldtöpfen.
In den letzten Jahren formiert sich hierzulande aber Widerstand gegen diese etablierten Organisationsformen. Manche kritisieren die mangelnde Flexibilität dieser Großvereine, ihre fehlende Transparenz oder auch die wachsende Bürokratie. Neben den Verbänden des organisierten Islams werden darum vermehrt lokale Initiativen gegründet, die in erster Linie von jungen und deutschen Muslimen getragen werden. Diese sind für die großen Verbände eine Herausforderung, in gewisser Weise sind sie es aber auch für die Mehrheitsgesellschaft. Denn sie definieren sich nicht über die Ethnie, die Herkunftsländer ihrer Eltern, sondern betonen, dass sie deutsch und muslimisch sind. Der Islam stellt sich nach diesem Verständnis nicht als Phänomen der Fremde dar, sondern erweist sich kompatibel zur deutschen Kultur.
Bornierte Solidarität
Jenseits der Frage, wie sich Muslime organisieren sollten, gibt es eine andere Grundsatzfrage, der sie sich in Europa stellen müssen. Aufgrund der aktuellen Ereignisse vermissen nicht wenige Deutsche ein stärkeres Engagement des organisierten Islams gegen Antisemitismus oder die salafistisch-wahhabitische Ideologie – auch wenn die Demonstrationen vom Wochenende ein Anfang waren. Aber es war nicht genug, die Kritik wird zu Recht vorgetragen. Denn entweder beruhigen die muslimischen Verbände ihr Gewissen, indem sie sich mit einzelnen Wortmeldungen oder Pressemitteilungen von diesen Gruppen distanzieren, aber nicht wirklich etwas unternehmen. Oder sie lehnen eine Distanzierung mit dem Argument ab, man habe nichts mit diesen Ideologen zu tun.
Weshalb dieser passive Umgang mit Gruppen, die negative Auswirkungen auf das Bild der Muslime insgesamt haben? Es liegt daran, dass Teile des organisierten Islams ihre Ursprünge im islamischen Modernismus haben, der während und nach der Kolonialisierung der arabischen Welt als Reaktion auf ebendiese entstand. Im Denken dieses Modernismus tritt der Islam im „Kleid der Technik“ als Partei, Ideologie, Bewegung oder, in seiner radikalsten Form, als Terrorismus auf. Der Einfluss der modernistischen Ideologie der Muslimbrüder in Deutschland ist nicht zu leugnen.
Daraus resultiert eine bornierte Solidarität etwa mit der Hamas, die ihre Ursprünge ebenfalls in der Muslimbruderschaft hat. Wenn man als Muslim die Hamas-Ideologie, die eher nationalistisch als islamisch ist, kritisiert, wird man nicht selten reflexartig als „Verräter“ oder als „unsolidarisch“ gebrandmarkt. Aber ist es eine Glaubensfrage, wenn man die jahrzehntelang erfolglose Politik einer Bewegung in Frage stellt, für die gerade viele eigene Anhänger mit dem Leben bezahlt haben?
Gegen Terror, gegen Ehrenmorde
Ein zentraler Gedanke des islamischen Modernismus, der immer noch in vielen Köpfen herumspukt, kreist um die Vorstellung eines vermeintlich „islamischen Staates“. Auch diese Idee entstand gegen Ende der Kolonialzeit mit der Gründung der Muslimbruderschaft. Beeinflusst durch das westliche Staatsdenken, prägten Vordenker der Muslimbrüder wie Hassan Al-Banna, Jamal-ad-din Al-Afghani oder Sayyid Qutb die Idee, dass die islamische Welt ihre Unabhängigkeit nur wiedererlangen könne, wenn sie die Techniken und die Staatsstrukturen der überlegenen Kolonialmächte kopieren und mit dem Islam kombinieren würde. Daraus sollte dann der „islamische Staat“ entstehen. Der Islam im Kleid westlich-revolutionärer Ideologien wurde dadurch zur Heilsbotschaft des politischen Islams, der „Wille zur Macht“ dominiert seitdem. Nicht wenige muslimische Organisationen in Europa sind davon beeinflusst.
Eine innermuslimische Debatte über die modernistischen Bewegungen der letzten hundert Jahre und deren Auswirkungen auf das muslimische Denken ist dringend nötig, um den ideologischen Ballast des neunzehnten Jahrhunderts endlich loszuwerden. Der organisierte Islam scheut diese Form der Auseinandersetzung und Selbstkritik. Auch aus Eigeninteresse. Denn der natürliche Feind des organisierten Islams ist eben jene lebendige muslimische Zivilgesellschaft, die auf lokaler Ebene und nicht zentralistisch agiert und somit von der Basis getragen und nicht durch Funktionäre kontrolliert wird. Gerade die Muslime in Europa sind in der Lage, die verheerenden Auswirkungen von Ideologien aufgrund der europäischen Geschichte besser zu kennen und die Lehren daraus zu ziehen.
Was fehlt, ist ein positives, identitäts- stiftendes Engagement, das besonders junge Muslime anspricht. Bisher dominiert die Haltung, dass man klarstellen müsse, wogegen man ist – gegen Terror, gegen Ehrenmorde, gegen die Unterdrückung der Frau, gegen Intoleranz und so weiter. Die Formulierung einer ablehnenden Haltung reicht jedoch nicht aus. Vielmehr müssen die Bedürfnisse der jungen Muslime erkannt und ernst genommen werden.
Brücken zwischen Tradition und Moderne
Daher brauchen wir Moscheen, die etwas Positives stiften, nicht nur eine Ethnie ansprechen und vor allem als „Amtssprache“ selbstverständlich das Deutsche benutzen. Wenn das nicht gewährleistet ist, werden salafistisch-wahhabitische Wanderprediger weiterhin leichtes Spiel bei der Rekrutierung junger Menschen haben, die dann als „Kanonenfutter“ nach Syrien oder in den Irak geschickt werden. Die beste Prävention gegen Radikalisierung ist die Etablierung authentischer muslimischer Gemeinschaften.
Woher kann dieser neue Ansatz kommen? Der momentane Zustand muslimischer Großverbände ist ernüchternd. Auch wenn sie im sogenannten Koordinationsrat der Muslime (KRM) organisiert sind, kocht jeder Mitgliedsverband sein eigenes Süppchen. Koordiniert wird außer dem Versenden von Pressemitteilungen recht wenig. Die Verbände haben heute eine Zwitternatur. Weder sind sie wirklich demokratisch noch traditionell islamisch verfasst. Sie repräsentieren weniger den Islam als vielmehr eine kulturell-nationale Mischkultur unter islamischem Einfluss.
Viele junge Muslime begreifen ihren Islam aber eben nicht mehr nur als Vereinszugehörigkeit. Die ethnische Komponente spielt bei ihnen anders als bei den alteingesessenen Vereinen und Verbänden keine Rolle mehr. Sie sind in Deutschland zu Hause, versuchen durch innovative und kreative Projekte ihren gesellschaftlichen Beitrag zu leisten und schlagen Brücken zwischen Tradition und Moderne.
Lösungen statt Rechtfertigung
Längst wird unter Muslimen in Deutschland leidenschaftlich darüber diskutiert, wie es organisatorisch weitergehen kann. Der deutsch-muslimische Journalist und Autor Khalil Breuer etwa entwarf kürzlich in der „Islamischen Zeitung“ das reizvolle Modell einer „Community 2.0“. Er setzt seine Hoffnungen also auf eine künftige dezentrale, basisdemokratische und lokale Organisationsform der Muslime. Sie bildet keine generelle Opposition zu den bestehenden Verbänden. Doch anders als diese setzt die Community 2.0 auf lokale Freiheiten und auf das Modell unabhängig agierender Stiftungen.
Es wird spannend sein zu beobachten, ob sich da eine lebendige deutsch-muslimische Zivilgesellschaft entwickeln kann und wie die existierenden Verbände darauf reagieren werden. Wenn sie diesen Wandel nicht als gutgemeinten Impuls wahrnehmen und unterstützen, bleibt aus Sicht Breuers nur noch die völlige Emanzipation der muslimischen Zivilgesellschaft von der lähmenden Dominanz der alten Vereinsstrukturen.
Wenn die teilweise hysterisch diskutierte Frage, ob der Islam nun ein Teil Deutschlands sei oder nicht, obsolet werden soll, dann müssen Muslime auch Lösungen präsentieren. Dies ist möglich, indem sie ihr Wissen über eine alternative Ökonomie gerade in diesen Zeiten teilen und vorleben. Die Rechtfertigung gegen Vorwürfe muss einer positiven Haltung Platz machen. Nur so kommt der Islam aus der Ecke heraus, in der er zurzeit steht: ein Problem zu sein, nicht Teil einer Lösung. Nur wer Lösungen und Antworten präsentiert, wird ernst genommen. Und dann kann auch von der verbreiteten Opferhaltung Abschied genommen werden.

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Im TV gesehen – aktuelle Sendungen zum Thema

Auf Streife für Allah – vor welchem Islam müssen wir Angst haben?

Provokation oder Testballon: Die Scharia-Polizei von Wuppertal irritierte auch die Tolerantesten. Dazu die jungen islamistischen Kämpfer, die in Deutschland aufgewachsen sind: Wer hat sie verführt, warum sind sie anfällig für Gewalt – und wie soll unsere Gesellschaft darauf reagieren?

Hart aber Fair vom 22.09.2014

Gast u.a.

Imam der Leipziger Al-Rahman-Moschee  Sheik Hassan Dabbagh

Lamya Kaddor

Sheik Hassan Dabbagh