Zeichen der Vernunft – Muslime gegen Antisemitismus

Wer kennt das nicht, wenn man denkt, es geht alles den Berg hinunter, man redet, man kämpft und irgendwann ist man versucht aufzugeben. In meiner Zeit bei Facebook ging es mir immer wieder so, denn wer sich, wie wir mit dem Thema Extremismus auseinandersetzt, schaut fast täglich in seelische und moralische Abgründe, wie man sie sich nie vorstellen konnte.
Aber dann gibt es irgendwo einen Aha-Effekt, ein positives Erlebnis, einen glücklichen Moment,  welche zum Weiterkämpfen ermuntern und so einen Moment hatte ich gerade heute.
Bei den unendlichen Streifzügen durch die Welt des M. Zuckerberg stieß ich heute auf eine Gruppe, die ich Euch nicht vorenthalten möchte und es wäre toll, wenn sich dort so viele Menschen wie möglich zusammenfinden könnten.
Die Pessimisten unter Euch werden sagen „Lippenbekenntnisse“ , werden kritisch sein wie so oft und vielleicht wird es auch wieder die geben, die alles klein reden, das Positive nicht sehen wollen. Das sollte alle vernunftbegabten Menschen nicht abhalten, sich ein eigenes Urteil zu bilden und vielleicht hilft schon der folgende Text dabei:

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Özgür Cebe

 

„Liebe Facebookgemeinde,

mein Name ist Özgür Cebe. Ich bin Kabarettist und Schauspieler und toure mit zwei abendfüllenden Programmen durch Deutschland. Mein aktuelles Programm heißt „Freigeist oder geistfrei. Das ist hier die Frage!“, mein erstes Programm heißt „Der bewegte Muselmann“.

Heute wende ich mich als freigeistig/bewegter Muselmann an euch. Der Grund ist die antisemitische Grundstimmung die ich in Deutschland und in einigen europäischen Ländern erlebe.
Als Grund für diesen Antisemitismus wird die aktuelle Lage in Israel bzw. Gaza genannt. Doch der Antisemitismus ist viel älter.
Diese Gruppe dient nicht dazu die Schuldfrage zwischen Palästinensern und Israelis zu ergründen, sondern vielmehr eine klare Position gegen den Antisemitismus zu beziehen.

Ich bin kein Freund Netanjahus und seiner Politik und doch verurteile ich nicht ein ganzes Volk wegen seiner Entscheidungen. Ich bin ein entschiedener Gegner der Hamas, die es sich als oberstes Ziel die Auslöschung eines Staates und seiner Bürger möchte und doch verurteile ich nicht alle Muslime.

Mit dieser Gruppe möchte ich zeigen, dass es Muslime gibt die eine reflektierte Meinung haben.
Ich will zeigen, dass man als Moslem nicht zwangsläufig ein Antisemit sein muss. Ich will zeigen, dass Menschen mit jüdischem- und muslimischem Glauben Freunde sein können.
Wenn der Qur-an die Ehe zwischen einem muslimischen Mann und einer jüdischen Frau erlaubt kann der Islam nicht antijüdisch sein.

Ich finde es beschämend wenn ich im Internet „Muslime“ sehe die Parolen wie „Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!“ grölen. Worin unterscheiden sich diese Leute von Neonazis?
Damit unterscheidet man sich nicht von der NPD. Und wenn man hier jüdische Bürger verletzt oder tötet, unterscheidet man sich nicht von der NSU. Diese Leute sollten sich überlegen in welcher Welt sie leben wollen.
Der Prophet war kein Österreicher, sondern Araber. So zieht man alle Muslime durch den Dreck und lasst sie aussehen wie Nazis. Und das will ich nicht.

Vielleicht sollten Islamisten (damit meine ich nicht die Muslime) sich daran erinnern wie es sich anfühlte als ein rechter Mob in Rostock „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“ grölte oder wie eine türkische Familie in Solingen von Nazis ausgelöscht wurde.

Ein vernünftig denkender Moslem und auch Nichtmoslem weiß, dass dieses Verhalten falsch ist.
Wir brauchen keine Pogrome! Weder hier in Deutschland, noch woanders.
Ich wette, dass diejenigen die antisemitische Parolen von sich geben, nicht einen einzigen Juden kennen.
Vorurteile entstehen meist gegen Menschen, die man nicht kennt. Die Fremdenfeindlichkeit ist auch in Teilen Deutschlands am höchsten wo die wenigsten Migranten leben.

Der jüdische Mitbürger ist nicht zwangsläufig Israeli. Hier wird eine Glaubensgemeinschaft stellvertretend für die Entscheidungen eines Staates verantwortlich gemacht. Aber es gibt nicht „den Juden“.
Ich bekenne mich mit dieser Gruppe nicht gegen den Krieg. Ich bekenne mich mit dieser Gruppe für den Frieden.
Ich lade alle Juden, Christen, Muslime, andere Religionsgemeinschaften, Agnostiker und Atheisten herzlich ein, ein Zeichen für den Frieden und die Koexistenz zu setzen.

Vor allem lade ich meine muslimischen Glaubensgeschwister ein, ein Zeichen GEGEN den Antisemitismus zu setzen. Zeigen wir den Menschen, dass wir tolerant sind.
Im Qur-an steht schließlich sinngemäß in Sure 2 Vers 256: „In der Religion gibt es keinen Zwang.“ “


Natürlich können Worte allein nicht die Welt verändern, aber Gruppen, wie diese, können Menschen zusammen bringen, ein Gemeinschaftsgefühl schaffen und stärken, mit Vorurteilen aufräumen und somit auch Mut machen – ja, wir können etwas erreichen, wenn wir nur genug sind, egal woher wir kommen und woran wir glauben.
Zuallererst sind wir Menschen die den Frieden lieben!

Hier Özgür Cebe : „Baustelle Deutschland“

 

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