Gülen-Bewegung: Fällt die Maske?

Gastbeitrag von Sigrid Hermann-Marschall

dtj

Die Gülen-Bewegung, in der Eigenbezeichnung auch Hizmet genannt, ist eine sektoide Gruppierung islamischer Ausrichtung. Sie geht auf den türkischen Prediger Fethullah Gülen zurück, dessen meist türkischstämmige Anhänger über viele Länder ein Netzwerk von Einrichtungen aufbauen. Nach außen hin wird Integration und Bildungsbeflissenheit demonstriert. Als wirkliche Ziele erscheinen jedoch die Abtrennung und Ausbildung einer Elite mit Unterwanderungsambitionen und Machtanspruch. Diese Ambitionen werden von einem eigenen Medienkonzern flankiert, der den Namen „World Media Group AG“ trägt.

 
Das Deutsch-Türkische Journal (DTJ) ist die online-Journal-Tochter der World Media Group AG. Neben ein wenig Information aus aller Welt, vor allem aber der Türkei, dient dieses Medium vor allem dazu, Meinung zu machen. Für die Bewegung – und zur Not gegen alle anderen.

Die vorteilhaften Ereignisse, die mit fröhlichen Kindern in bunten Gewändern, die mit naiven oder überrumpelten Honoratioren, die lässt man gerne eindringlich und in voller Pracht vor dem Auge des Lesers erstrahlen. Das gibt so schöne Artikel. Die Dinge jedoch, die ärgerlich sind für die Bewegung, weil Medien nicht auf das Marketing herein fielen, weil nachgefragt und -geforscht wurde. weil man sich nicht zufrieden gab mit dem, was die Gruppierung sehen lassen wollte, lässt man gerne von Kommentatoren abhandeln.
Indirekt wird so transportiert, was man meint oder will, aber natürlich hat das alles offiziell nichts mit der Bewegung zu tun. Wer käme denn auf so etwas. Die Bewegung ist gut und freundlich und wer das nicht glauben will, bekommt erst böse Kommentare und dann ein Grusskärtchen vom Anwalt. Dafür hat man seine Leute, da macht man sich die Finger nicht selber schmutzig.

Kommentatoren transportieren die inoffizielle Haltung

Die Bewegung selber bleibt im Dunklen, da man ungerne in Mikrofone spricht oder Interviews gibt. Da wird dann weggetaucht, vertröstet oder nur gemunkelt. All das ist sehr intransparent und es erweckt den Eindruck, dass man offene Fragen lieber nicht öffentlich beantworten möchte. Statt dessen setzt man auf die hauseigene medienmacht, die das transportieren soll, was genehm ist. Eine besondere Rolle nimmt dabei das DTJ ein, erreicht man damit doch nicht nur die Abonnenten, sondern auch Neugierige und nicht zuletzt den Kritiker und sein Umfeld, ohne dass sich dieser gegen die Darstellungen zur Wehr setzen kann. Eine gewisse strukturelle Zweiteilung ist dort zu beobachten:

Der nackte Kaiser

Manchmal finden sich unter diesen Ergüssen jedoch auch Perlen unerwarteter Selbstentblössungen wie in einem aktuellen Kommentar von Kamuran Sezer. In diesem Kommentar, wie in letzter Zeit häufig eine Kritiker- oder Medienkritik, geht es um einen Beitrag des NDR zu Problemen mit islamistisch verblendeten Schülern in Hamburg.
Wenn dieser Beitrag – auch als Kommentar – beim DTJ genehm ist, lässt dies erahnen, wie man sich und die Mehrheitsgesellschaft sieht.
Sezer meint u.a. unter der bemerkenswerten Überschrift „ARD-Nachtmagazin: Angst der Mehrheit unterdrückt die Meinung der Minderheit“:

„Die angebliche Mär muslimischer Mädchen, die nicht am Sport- und Schwimmunterricht teilnehmen dürfen, die Importbräute, Zwangsheirat und Ehrenmorde, Gewaltbereitschaft unter muslimischen Jungen, die angebliche Deutschenfeindlichen, von der die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder gerne propagierte, die Leitkultur und viele, viele andere Themen und ihre öffentlichen Diskussionen, die letzten Endes dazu gedient haben, die migrantische Community von ihrer deutschen Heimat zu entfremden und Rechtspopulisten eine kostenlose Vorlagen für ihren Aufstieg zu geben.“ 

Kamuran-Sezer-Gelsenkirchen

Kamuran Sezer

All diese Phänomene gibt es also gar nicht, sondern sie sind eine Erfindung der Medien. Da sitzen also lauter Rechte oder deren Sympathisanten herum bei den Öffentlich Rechtlichen Rundfunkanstalten. Und warum machen die das?

„Zumindest stellt man sich als Mitglied einer Minderheit, die in dieser Reportage zur Zielscheibe gemacht wird, diese Frage.“

Das ist schon ein seltsamer Schulterschluss. Danke, Herr Sezer. Dank auch an das DTJ.

Da gehen Jugendliche ein Mädchen an. Das findet er dem Anschein nach nicht kritikwürdig, ja nicht mal bedenkenswert, sondern sieht im NDR-Beitrag einen „Tiefpunkt medialer Manipulation“. Er solidarisiert sich nicht mit den Opfern, sondern meint einfach, dass es diese nicht gebe, nicht geben könne, dass das alles im Prinzip eine Erfindung ist, um Migranten, er meint jedoch nur Muslime, in ihrem Ansehen allgemein zu schädigen. Hier im Land ist alles erfunden und die bösen Jungs sind erst ISIS und Co. Blöd nur, dass ein erheblicher Teil der Salafisten mit diesen sympathisiert und so einige sich auch direkt auf den Weg machten. Die gibt es dann wohl auch nicht, alles Propaganda.

Die Mehrheit der Minderheit?

Sezer geniert sich auch nicht, sich zum Sprecher der Migranten zu machen:

„Denn sie ist ein weiterer Beleg dafür, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nur in der Lage sind, das Meinungsbild und die Bedürfnisse der deutschen Mehrheitsgesellschaft einseitig wiederzugeben und dafür das Meinungsbild und Bedürfnisse der migrantischen Minderheiten auszublenden.“

(Quelle)


Das „Meinungsbild und die Bedürfnisse der migrantischen Minderheit“? Mit der „migrantischen Minderheit“ können hier allerdings nur die Jungen gemeint sein, die Mädchen und Lehrer mobben, denn deren Verhalten wird im NDR-Beitrag kritisiert. Was unterstellt er anderen Migranten? Was projiziert er auf sie?
Er macht sich – folgt man der Logik seines Beitrages, wenn es die gibt – also dafür stark, dass Jungen an Schulen die selbsternannte Religionspolizei geben dürfen. Oder dass solche Handlungen erfunden sind, erfunden sein müssen wie Zwangsheirat und Ehrenmord. Die Mädchen lügen, die Lehrer lügen, die Medien machen sich absichtsvoll deren Lügen zunutze, um gegen Migranten im Allgemeinen zu hetzen. Migranten sind in seiner Darstellung Menschen, die nicht fehlen können. Wer etwas anderes meint, konkret berichtet, lügt, er spannt den großen Bogen.

 Eigene Parallelwelt

Nein, der Grund für diesen Bericht ist sicher nicht die „Panik vor ISIS“, wie er im Text auch spekuliert. Sondern schlicht, dass es nicht akzeptabel ist, wenn ein Mädchen dazu gedrängt wird, sich „islamisch zu kleiden“, wenn es nicht möchte. Dass es nicht akzeptabel ist, wenn gegen Lehrer ein Mob inszeniert wird. Oder soll es ein beachtenswertes, nicht zu kritisierendes „Bedürfnis einer Minderheit“ sein, Mädchen und Pädagogen unter Druck zu setzen? Er mahnt ernsthaft Meinungsfreiheit an für diese Halbwüchsigen, sieht es als „Unterdrückung“, wenn diese nicht wie gewünscht nötigen dürfen bzw. darüber kritisch berichtet wird? Nötigung im Namen des Islam findet also seine Billigung, da darüber nicht berichtet werden darf?

Bemerkenswert bei dem Ganzen ist also die Linie, die er ziehen will: Im Beitrag des NDR werden Probleme durch Jugendliche, die islamische Regeln durchsetzen wollen, thematisiert. Er fühlt sich anscheinend als Muslim betroffen und versucht aber, die gesamte migrantische Community als Zielobjekt dieser Finstermänner darzustellen. Die hilfesuchenden muslimischen Eltern (!) werden auch mal en passant sozusagen exkommuniziert.
Nein, Herr Sezer, sicher werden wenige andere so denken wie sie. Ich glaube auch nicht, dass viele andere Migranten z.B. meinen, „Ehren“morde seien eine Erfindung der Medien. Oder dass sie gemeint sind, wenn es um Probleme geht, die durch religiös-ideologische Verblendung verursacht sind.
Damit sind die wesentlichen Bestandteile einer Verschwörungstheorie beisammen: Die Phantasie eines Lügengespinstes, um Finsteres gegen die eigene Gruppe zu bewirken. Bei Nina Hagen hat das auch mal so angefangen. Aber vielleicht kann man die ja auch noch als Kommentatorin gewinnen, die wird dann in den Öffentlich Rechtlichen Rundfunkanstalten sicher auch noch wie gewünscht Reptiloiden ausmachen.

Halali!

Fethullah Gülen

Fethullah Gülen

 

Es geht um diesen Beitrag:

http://www.tagesschau.de/inland/mobbing-schule-100.html

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13 Kommentare zu „Gülen-Bewegung: Fällt die Maske?

  1. Legt euch nicht mit der Gülen-Bewegung an. Die spielen in einer viel höheren Liga als ihr. Und dagegen kommt ihr nicht an. Die Gülen-Bewegung ist bisher immer durchgekommen, und ausgerechnet IHR wollt dafür sorgen, dass dies nicht mehr so ist? Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid? Ihr geht denen am Allerwertesten vorbei.

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  2. Wer oder was ist ein „Kuanko“?
    Von jemandem, der nicht mal genügend Mumm hat, seinen echten Namen zu verwenden, berücksichtige ich keine Hinweise.

    Im Übrigen weise ich auf die inneren Logikmängel hin: Wenn „wir“ der Gülen-Bewegung „am Allerwertesten vorbei gehen“, so ist es völlig irrelevant, was ich hier dazu schreibe.

    In diesem Sinne: Schönen Abend noch!

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  3. Kuanko, ich verstehe immer noch nicht, wo es hinsoll: Freundliche Warnung a´la „nehmt euch in Acht vor deren Macht“ oder kleiner Nötigungsversuch, dass ich solche Äußerungen unterlasse?

    Was solls denn sein?

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    1. Jeder, der sich in der Vergangenheit mit der Gülen-Bewegung angelegt hat, hat nur sich selbst einen Strick daraus gedreht und ist kläglich gescheitert. Wer heute ungeachtet dessen der Gülen-Bewegung eine Grube gräbt, fällt da nur selbst hinein, weil er nichts dazugelernt hat. Bildet euch also nicht ein, dass ihr was ausrichten könnt. Die Gülen-Leute sind bestens darin erfahren, mit massiven Anfeindungen und Einsteckungen souverän umzugehen.

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      1. Ihr habt nicht die leiseste Ahnung, worauf ihr euch da unbedingt einlassen wollt. Nicht dass ihr hinterher behauptet, ich hätte euch nicht gewarnt.

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  4. Kuanko, das stimmt einfach nicht. Vor Gericht ist die Gülen-Bewegung oder ihre Sockenpuppen mehrfach gescheitert. Eine kritische Berichterstattung in den Medien konnte sie nicht verhindern. Sie wollte Kritikern schaden – und siehe da, diese machen einfach weiter. Was genau soll passieren?

    Mir ist auch nicht bekannt, dass die Gülen-Bewegung Auftragskiller losschicken würde. Da muss selbst ich jetzt einmal die Gülen-Bewegung vor Ihren Vermutungen und Phantasien in Schutz nehmen. Hier ist auch nicht die Türkei, wo man andere, nicht rechtsstaatliche, Möglichkeiten haben mag. Die Macht der Gülen-Bewegung beschränkt sich hier auf mutmaßliche Schmähkritik, die sie in ihren Medien veröffentlicht, ihre spezielle Art von Eigenmarketing (die aber eingedämmt wird) und den üblichen Möglichkeiten des Rechtsstaats. Die können funktionieren – oder auch nicht.

    Ich bedanke mich für Ihre Sorge, aber: Ich bin kein Kind, das man mit Geschichten vom schwarzen Mann erschrecken könnte.

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    1. Was genau passieren würde? Die Gülen-Bewegung würde ungeachtet massiven Gegenwinds einfach weitermachen, als wenn nichts geschehen wäre. Aufhalten lässt sie sich so oder so nicht. Die ist bereit, auf ihrem Weg auch einzustecken und Rückschläge zu erleiden, denn das ist ihre Philosophie. Nicht aber, um zum Gegenschlag auszuholen. Deshalb sind jegliche Maßnahmen, die Gülen-Bewegung dauerhaft aufzuhalten, langfristig zum Scheitern verurteilt.

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      1. @ Kuanko
        Mit deinen mehrfach geäußerten Drohungen gibst du sogar indirekt zu, dass es sich bei der Gülen-Bewegung tatsächlich um einer Art „Mafia“ handelt (und dass sie ähnlich agiert)!

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  5. Kuanko, Ihre Glaskugel ist leicht trübe.

    Überdies finde ich Ihre fatalistische Haltung bedenklich. So schreibt einer, der jedes Herren Untertan wird, wenn dieser nur strikt behauptet, er sei die kommende Macht. Mit Leuten Ihres Schlages kann so etwas wahr werden, mit Menschen meines Schlages nicht. Und selbst wenn es einträte, wenn man denn verlöre, so wäre man doch entgegengetreten.

    Ein Lesetipp zum Abend: „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“.

    Aus der Diskussion mit Ihnen steige ich hier aus, denn Sie schreiben wenig Gehaltvolles und gießen nur Ihre Schicksalsergebenheit in Sätze. Da kommen wir nicht überein. Schönen Abend noch.

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