„Wahlsieg“ für einen Diktator

Wer sich, wie wir, seit Jahren mit innergesellschaftlichen Diskrepanzen beschäftigt, hervorgerufen durch falsch verstandene und falsch ausgelebte Religionsfreiheit, der kommt nicht umhin, sich auch der außenpolitischen Lage zu widmen, zumal wenn sie so eng verbunden mit unserem Land ist wie die der Türkei.

Vielleicht erleben Sie es selbst täglich, wie unterschiedlich die Positionen der hier lebenden türkischstämmigen Menschen sind. Kritisch wird Erdogan bewertet von denen, die sich mit den Werten von Demokratie und Meinungsfreiheit identifizieren. Bejubelt wird er oft von denen, die den wirtschaftlichen Sprung, den Erdogan sich gern selbst zuschreibt, als wichtiger betrachten, als das Recht der Menschen auf Selbstbestimmung. Dass auch bei diesen die zunehmende Etablierung und Rückkehr des Islams in Politik und Gesellschaft Anklang findet, darf niemanden verwundern.

Auf welch tönernden Füßen die wirtschaftlichen Erfolge der Türkei stehen wissen nur die, die tiefer blicken in den Sumpf von Korruption und Manipulation, der um Erdogan brodelt.

Wie geschickt er es versteht, den Menschen die Sinne zu vernebeln, zeigen die gerade stattgefundenen Kommunalwahlen.

Halten Sie es für denkbar, dass Frau Merkel und ihre Partei auch nur den Hauch einer Chance gehabt hätte, wenn auf ihre Veranlassung hin unsere Bürgerrechte derart beschnitten worden wären, wie es in der Türkei der Fall war; wenn es Tote gegeben hätte bei Demonstrationen weil unsere Sicherheitsorgane mit scharfer Munition gezielt auf Menschengruppen geschossen hätte?

Solche Bilder können wir uns für unser Land nicht mehr vorstellen und allein das Geschehen in der Ferne lässt uns erschüttert und verständnislos zurück, gerade weil es in einem Land stattfindet, welches Mitglied der europäischen Gemeinschaft werden wollte.

Möchten wir einen offensichtlich diktatorischen Staat in unserer Mitte wissen? Ganz klar NEIN und zu diesem Schluss kommt nun auch endlich unsere Regierung:

„Zurückhaltend war das Verhalten der Europäischen Union gegenüber der Türkei in den vergangenen Jahren ohnehin. Doch die neuesten Entwicklungen könnten ernste Verwerfungen mit Brüssel nach sich ziehen. Die CSU jedenfalls fordert nun den kompletten Stopp der Beitrittsverhandlungen mit Ankara. „Allmählich dämmert es, dass die Erdogan-Türkei nicht zu Europa gehört“, sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer am Montagabend in München. Er reagierte damit auf die Drohungen des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan gegen seine Kritiker.“Ein Land, in dem die Regierung ihren Kritikern droht und das demokratische Werte mit Füßen tritt, kann nicht zu Europa gehören.“ (Quelle

Vorbei sind die Kommunalwahlen zwar, jedoch auch wieder noch nicht, denn ganz offen stehen Vorwürfe der Manipulation und bewusster Fälschung im Raum. Und wer glaubt, nun könne Erdogan in Ruhe seine Brötchen weiter backen, der vergisst die jungen, aufgeklärten Menschen in Istanbul und Ankara. Es ist ein schaler Sieg für Erdogan!

Die Gesellschaft der Türkei ist tief gespalten in selbstbewusste Menschen, die sich nach Modernisierung und Fortschritt sehnen auf der einen Seite und in die Gruppe, die leichtgläubig einem „starken Führer“ folgen, ihn glorifizieren ohne seine Entscheidungen zu hinterfragen und der das Land zurückführen wird in einen Staat, in dem die Religion mehr Einfluss haben wird, als demokratische Gesetze, Mit-und Selbstbestimmung und freiheitliches Denken.

Wir dürfen nicht vergessen, dass auch in unserem Land türkischstämmige Menschen leben, die sich genau in diese zwei Gruppen teilen und dank Erdogans offener Aufrufe sich ihrer Nationalität zu besinnen, hat er sich bei seinen letzten Auftritten in Deutschland eine Anhängerschaft gesichert, die für genügend Konfliktpotenzial innerhalb der türkischen Community sorgen kann und wohl auch wird. Bestes Beispiel dafür ist der Umgang mit Menschen wie dem gebürtigen Türken Akif Princci, der sich selbst stolz als Deutscher bezeichnet oder die Ausfälle gegenüber Ismail Tipi, der als geborener Muslim Mitglied der CDU ist, um nur einige zu nennen.

Bleibt zu hoffen, dass unsere Politik klare Stellung beziehen wird und aufhört, einen Diktator zu hofieren, der bereit ist, für den Ausbau und Erhalt seiner Macht gegen jede Regel einer demokratischen und modernen Gesellschaft zu verstoßen!

Turkey's Prime Minister Tayyip Erdogan is in a campaign event for

 

 

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10 Kommentare zu „„Wahlsieg“ für einen Diktator

  1. “Wahlsieg” für einen Diktator“ ist wohl ein typisches contradictio in adiecto. Es zeigt aber auch westliche Unfähigkeit andere Kulturen zu respektieren. Die westliche Form des Parlamentarismus ist mitnichten das politische „default system“ des Universums.

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  2. Deshalb steht „Wahlsieg“ ja auch in Anführungszeichen, denn ob es dieser ist, wird sich erst zeigen. Warum der Westen angeblich unfähig sein soll, andere Kulturen zu respektieren erschließt sich mir im Zusammenhang mit diesem Artikel nicht.
    Dass der Parlamentarismus nicht das Non plus Ultra ist und weltweit „funktionabel“, mag mancher so empfinden. Dennoch ziehen es offensichtlich mehr Menschen vor, in genau diesem zu leben, statt sich einer Diktatur zu beugen, die auch Leib und Leben nicht verschont.

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  3. Hallo, Danke für Ihre Antwort.
    Zum 1. Absatz: Der letzte Satz in Ihrem Artikel bezeichnet eine interventionistische Einstellung, basierend auf dem Vorurteil eigener Werte; diese Haltung findet man kaum im Ausland gegenüber uns.
    Zum 2. Das ist eine sophistische Argumentation. (A) Der größte Teil der Menschheit lebt in Systemen die zwischen Extremen liegen. (B) Ihrer Annahme widersprechen z.Zt. mehr als 2/3 der Weltbevölkerung (Diktaturen ausgeschlossen).
    MFG

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  4. Hallo alphachamber,
    Habe mir ernsthaft überlegt, ob ich auf Ihren Kommentar antworten soll. Doch bevor andere Leser dieses Blogs glauben, dass sich hinter ihrer Anhäufung von Fremdworter ein wichtiger Beitrag verbirgt, will ich wenigstens einige Sätze schreiben.
    Aber zuvor eine Frage: Sind Sie der deutschen Sprache so wenig mächtig, dass Sie Ihre vermeindliche Kritik nicht im Sprachschatz des an variationsreichen Vokabeln so ergiebigen germanistischen Wortrepertoires artikulieren können?
    Und noch eine Bitte, wenn Sie sich auf eine bestimmte Textstelle beziehen wollen, kennzeichnen Sie diese nachvollziehbar, denn: Im ersten Absatz gibt es keinen letzten Satz im Artikel.
    Soweit etwas zu den Formalien, kommen wir nun kurz zum Inhalt Ihrer Kommentare. Der Begriff ¨interventionistisch¨ hat für mich (bisher) nur in Verbindung mit der ¨Interventionistischen Linken¨eine (gewisse) Bedeutung gehabt, ist aber kaum geeignet, den Inhalt des von Ihnen kommentierten Beitrages zu klassifizieren.
    Ebensowenig ist mir die Aneinanderreihung von Worten in dem Absatz ¨Zum 2.¨ intellektuell nicht zugänglich, wobei ich aber anmerken möchte, dass ich in dem eigentlichen Blogbeitrag keine sophistische (also: in sich widersprüchliche) Argumentation erkennen kann.
    Aber vielleicht sollte man am Ende den wichtigsten Punkt festhalten: Für eine Türkei mit Erdogan als Ministerpräsident – bzw. in Kürze – allmächtigem Staatspräsident ist ist in Europa kein Platz. Wir haben schon genug damit zu tun, unsere Demokratien am leben zu erhalten. Und das ist in dem Blogbeitrag doch wirklich gut rübergekommen!

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  5. @Master/Boxvogel (Blogwart in Personalunion?)
    Lieber Herr Lektor,
    Meine Kommrntare waren kurz, sachlich, höflich und argumentiert. Warum diese herablassende, persönliche und langatmige Belehrung an eine Person die Sie nicht kennen? Ich spreche 6 Sprachen und scheibe in 4. Zu Ihrem besseren Verständnis versuche ich hier jegliche Fremdwörter zu vermeiden.
    1.) „…kennzeichnen Sie diese nachvollziehbar, denn: Im ersten Absatz gibt es keinen letzten Satz im Artikel.“
    Dies habe ich – wohl vergeblich – versucht. Wenn SIe mit „Boxvogel“ identisch sind, dann erscheint Ihre Antwort auf meinen ersten Kommentar in 2 Absätzen. Auf Ihren 1. Absatz habe ich entsprechend argumentiert, und mich dabei auf den letzten Satz in Ihrem Artikel bezogen.
    2.) „Interventionistisch“ ist ein seit langem gängiger politischer Begriff. Ihm „nur in Verbindung mir der Linken gewisse Bedeutung zuzumessen“ mag Ihre exklusive Sichtweise sein.
    3.) „Sophismus“ bedeutet nicht widersprüchlich sondern: „Täuschung bezweckender Trugschluss, Scheinbeweis“. Das ist aber natürlich nur die Ansicht des Duden. Ich darf versuchen, Ihnen meine „Aneinanderreihung von Worten“ intellektuell zugänglich zu machen:
    Sie schrieben in Ihrer ersten Antwort –
    „…Dennoch ziehen es offensichtlich mehr Menschen vor, in genau diesem (Parlamentarismus) zu leben, statt sich einer Diktatur zu beugen. Ich schrieb daraufhin (in kürzerer Form):
    Da der größte Teil der Menschheit in Systemen lebt, die zwischen Extremen liegen (z.B. handlungsbremsendem Parlamentarismus und einer harschen Diktatur), lässt darauf schließen, dass zwar mehr Menschen den Parlamentarismus einer Diktatur vorziehen, dass sich daraus aber nicht schließen lässt (=Sophismus), dass die Mehrheit unseren Parlamentarismus auch ANDEREN Alternativen vorzieht. Deshalb schieb ich: „(B) Ihrer Annahme widersprechen z.Zt. mehr als 2/3 der Weltbevölkerung (Diktaturen ausgeschlossen)“.
    Zu Ihrem eigentlichen Punkt:
    „…Für eine Türkei mit Erdogan als Ministerpräsident – bzw. in Kürze – allmächtigem Staatspräsident ist ist in Europa kein Platz.“ Und ich meine, dass für die Türkei auch unter einem demokratischeren Präsidenten kein Platz ist. Weil die Türkei geographisch und kulturell genau so „zu Europa gehört“ wie die Mongolei. Abgesehen von den ständigen kulturell-erwachsenden Problemen, würde dies bedeuten, das Europa eine Grenze mit Staaten teilt, von extremer politischer Labilität (das bedeutet „instabil“).
    Nette Grüße.

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  6. Werter Herr Aphachamber,
    wenn Sie Herr Mastermann gern antworten möchten, so können Sie dies tun. Ihre Vermutung einer „Personalunion“ trifft nicht zu, auch wenn Sie das vielleicht betroffen macht. Aber zurück zum Thema und Ihrer Kritik an unserem Artikel:
    Wir erwarten nicht, mit unseren Beiträgen 100% ige Zustimmung aller Leser zu bekommen. Wir bedienen uns auch keiner verklausulierten Satzgebilde, da wir selbst nicht dem Autorengewerbe angehören, sondern diesen Blog, sowie unsere anderen Seiten zum Thema Salafisten neben unserer täglichen Arbeit betreiben. Er soll der Information dienen, nimmt aber niemals in Anspruch, andere Informationsquellen ersetzen zu wollen oder zu können.
    Wenn Sie also nur daran interessiert sind, die von uns geposteten Inhalte zu zerreißen, dann müssen Sie mehr Zeit haben als wir. Aus eben diesem Grund würde ich gern die Konversation mit Ihnen beenden, denn wir haben noch anderes zu erledigen.
    Vielen Dank für Ihre Kritik und die Zeit, die Sie für diese opferten.

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  7. „…auch wenn Sie das vielleicht betroffen macht.“
    Ja, da werde ich noch lange dran zu kauen haben! Warum das kindische Verwirrspiel? „Unserem Artikel“ bedeutet, Sie sind entweder die Co-Autoren, oder einer von Ihnen ist bipolar.
    „…Aber zurück zum Thema…“
    Wenn Sie dabei blieben, müssten Sie das nicht immer schreiben. Das hilft kostbare Zeit sparen.
    „Wir erwarten nicht, mit unseren Beiträgen 100% ige Zustimmung aller Leser zu bekommen“. Und dann:
    „…nur daran interessiert sind, die von uns geposteten Inhalte zu zerreißen…“. Ein dialektischer Knüller 🙂
    Heißer Tip: gegen lästige Argumente hilft ein Abschalten der Kommentar-Funktion. Ist aber auch nicht immer gut fürs Ego.
    Ich bedanke mich auch für diese „Diskussion“ (wenn Sie die Übertreibung verzeihen). Ein surrealistisches Erlebnis – etwas wie einhändiges Klatschen.
    „…denn wir haben noch anderes zu erledigen.“ Ich befürchtete schon, Sie hätten nichts Besseres zu tun.

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  8. Diktator ??? ihr solltet erst mal vor der eigenen Türe kehren.. Der Sarkosy war ein Faschist,der die Nord Afrikaner als Abschaum usw.bezeichnet hat. Italiens Mafia-Präsident dem alle TV Sender gehörten und unsere Angi nicht zu vergessen die bei einem Interview sagte „das volk wird gar nicht gefragt“ und „wir müssen Rechte an andere Abgeben ..“d.h ende der Demokratie und auch der Menschenrechte.

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  9. Der Erdogan hat der Türkei in 10 Jahren soviel Demokratie und Menschenrechte gegeben,das die Türkei seit 80 Jahren nicht mehr erlebt hat. Bevor Erdogan kam war Folter in Gefängnissen und Polizeistationen an der Tagesordnung.
    Ihr solltet den verlogenen Scheiß der Medien ,den PKK Anhängern (die sich als Linke soziale geben aber terroristisches Gedankengut in sich tragen) nicht glauben und mal versuchen die Wahrheit heraus zu finden.!
    Erdogan ließ im Osten der Türkei eine uralte zerfallene Kirche restaurieren und stellte es den Christen kostenlos zur verfügung. Im Westen war davon nichts zu hören !!! Warum wohl ??? es gibt noch so vieles .aber durch eure korrumpierten Medien werdet ihr unwissend gehalten.

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    1. Was Du von Erdogan hältst, ist Dir überlassen. Wenn man folgenden Artikel liest, sieht man ganz klar das wahre Gesicht hinter Erdogans Fassade, und wir- auch wenn Du uns persönlich angreifst- sind nicht die Einzigen, die sich nicht blenden lassen. Bleibt für Dich zu hoffen, dass Du ein sonniges Plätzchen in Erdogans Diktatur erwischt hast oder noch erwischen kannst, denn niemand möchte es Menschen wie Dir zumuten in unserem Land leben zu müssen, zerfressen von Sehnsucht nach Erdogans Diktatur und voll von Hass auf unser Land

      http://www.welt.de/politik/deutschland/article128528989/Erdogans-Attacke-bringt-Oezdemir-in-Gefahr.html

      Die Bundesregierung hat den jüngsten Angriff des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan auf Grünen-Parteichef Cem Özdemir deutlich gerügt. Der türkische Botschafter in Berlin sei zu einem Gespräch ins Auswärtige Amt geladen worden, „um unser Befremden über Äußerungen aus der türkischen Regierung deutlich zu machen“, hieß es am Freitag im Außenministerium.

      Die Zeitung Die Welt hatte berichtet, das Gespräch habe der Politische Direktor des Auswärtigen Amtes am Mittwochabend mit dem türkischen Botschafter Hüseyin Avni Karslioğlu geführt. Die Zeitung berichtet zudem von Anfeindungen gegen Özdemir und seine Frau, unter anderem im Internet. Dahinter würden Erdoğan-Anhänger vermutet.

      http://www.sueddeutsche.de/politik/wegen-erdoan-angriff-auf-oezdemir-bundesregierung-bestellt-tuerkischen-botschafter-ein-1.1980651

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