Gülen – kritisch betrachtet . Wie Gülen-Medien die Realität verdrehen (Gastbeitrag von Jürgen P. Fuß)

fethullah_gulen1Da die Geschehnisse in der Türkei nicht ohne Auswirkungen auf unsere Gesellschaft bleiben, und besonders die       Gülen – Bewegung in Hinsicht auf einen radikalen Islam seit einiger Zeit bei uns ebenfalls im Gespräch ist, möchten wir in Zukunft auch Beiträge zum Thema Gülen bei uns aufnehmen.


Hier ein Beitrag der „
Aktuelle Türkei Rundschau


Eine Analyse von Jürgen P. Fuß

Erinnern Sie sich noch an die Tage der Juni-Proteste in Istanbul im vergangenen Jahr? Tage – nein wochenlang waren zahlreiche Journalisten deutscher und europäischer Medien vor Ort und berichteten in Wort und Bild, was sie mit eigenen Augen gesehen haben.

Zahlreiche europäische Politiker kommentierten die Ereignisse und mahnten die türkische Regierung zu Umsicht und Mäßigung im Umgang mit den Demonstranten. Mit der Entscheidung, den Taksim-Platz in der Nacht durch die Polizei räumen zu lassen, habe die türkische Regierung Bemühungen um einen friedlichen Dialog zerstört, kritisierte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch die Vorgänge in Istanbul.

Im Oktober des gleichen Jahres legte Amnesty International seinen Bericht „Gezi Park protests: Brutal denial of the right to peaceful assembly in Turkey“ vor und nennt dabei u.a. folgende Zahlen:

Bis zum 15. Juli 2013 hatte es insgesamt 4.900 Festnahmen und 8.000 Verletzte, davon mindestens 61 Schwerverletzte gegeben. Die Türkische Ärztekammer sprach nach dem Amnesty-Bericht von 104 Opfern mit schweren Kopfverletzungen, elf Menschen sollen ein Auge verloren haben. Die Türkische Ärztekammer bestätigte ferner, dass drei Menschen während der Proteste durch exzessive Gewaltanwendung der Sicherheitskräfte getötet worden seien.

Von Seiten des türkischen Innenministeriums hieß es, dass während der Einsätze 600 Polizisten verletzt und ein Polizist gestorben seien.

In Deutschland konnten und können wir also auf eine umfangreiche Berichterstattung aus zahlreichen voneinander unabhängigen Medien über die Juni-Unruhen in der Türkei zurückgreifen. Gravierende Widersprüche sind dabei weder zwischen den Berichten der zahlreichen deutschen und europäischen Medien, noch in den Beobachtungen und Analysen unabhängiger Nichtregierungsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International erkennbar.

Gülen-Medien schildern eine andere „Realität”

Doch im Internet findet man bei einer Recherche auch ganz andere Darstellungen. So liefert das der Gülen-Szene zuzuordnende „DTJ-Online – das Nachrichtenportal für die deutsch-türkische Welt“ seinen überwiegend muslimischen Lesern in einem am 13. August 2013 erschienenen Beitrag „Gezi-Proteste: Ein Rückblick“ ein völlig anders Bild. Verfasser des Artikels ist Yasin Bas, nach Aussagen von DTJ-online Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist.

Yasin Bas schreibt über die Juni-Unruhen: „Tagtäglich wurden planmäßig Berichte und Bilder angeblicher oder tatsächlicher „brutaler Polizeigewalt“ in Print und Onlinemedien sowie TV-Nachrichten lanciert (gemeint sind dabei die deutschen Medien, Anm. des Verfassers) und europäische Interviews wurden dabei fast ausschließlich von Regierungsgegnern und so genannten „Opfern der Polizeigewalt“ verbreitet.“

An anderer Stelle stellt Bas fest: „Den Menschen in Europa wurden während der Zeit der Proteste selektiv ausgewählte Bilder und Aussagen geboten, die eher an eine Showveranstaltung erinnerte als an sachlich-objektive Berichterstattung. Die Mehrzahl der Medien, leider auch der staatlichen und durch Rundfunkgebühren – auch der türkischen Minderheit in Deutschland – finanzierten Medien ging ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich einer wenn schon nicht neutralen, dann wenigstens zumindest umfassend informativen Berichterstattung, kaum nach.“

Von den laut Amnesty International rund 8.000 (!) Verletzten steht in dem langen Artikel kein einziges Wort. Stattdessen beschränkt sich Bas darauf, die (materiellen) „Opfer“ der Unruhen aufzuzählen: „Die Bilanz des Zerstörungswahns durch die in hiesigen Medien (gemeint sind dabei die deutschen Medien, Anm. des Verfassers) als „Freiheitsaktivisten“ gelobten Randalierer in der Türkei: 45 Rettungsfahrzeuge, 90 öffentliche Verkehrsbusse, 60 öffentliche Gebäude, Bushaltestellen, 12 Parteibüros, 215 private PKW, 340 Geschäfte, 240 Polizeifahrzeuge und 70 öffentliche Überwachungskameras.“


Gülen-Medien unterstellen „unserer“ Presse „Gleichschaltung wie in totalitären Systemen“


Nach seinen langatmigen, überwiegend diffamierenden Ausführungen über die deutschen Medien und ihre Berichterstattung zu den Juni-Unruhen erreicht Bas seinen „propagandistischen Höhepunkt“: „Somit erweckten sie (gemeint sind die deutschen Medien) zumindest in den Tagen der Gezi-Proteste ein Bild der Gleichschaltung, das man eigentlich eher aus totalitären Systemen kennt.“

Gleichschaltung der Presse“ ist ein Ausdruck, der aus der Anfangszeit des unheilvollen Dritten Reiches stammt! Sicherlich keine versehentliche Assoziierung, die der Autor dabei erzeugen will. Solche Äußerungen verlangen jemandem, der mehrere Jahre in der Türkei gelebt und nahezu ein Jahrzehnt lang die Verhältnisse bei den türkischen Medien intensiv beobachtet hat, eine große Selbstbeherrschung, um nicht Gefühle der Wut gegenüber dem Autor zu empfinden. Doch das wäre sicherlich der falsche Weg!

Sicherlich wäre es zu einfach, dem Autor mangelnde Sachkenntnis zu unterstellen. Auch die Erklärung, DTJ-online habe mit dem Abdrucken des Beitrages Presse- und Meinungsfreiheit demonstrieren wollen, kann nicht als Erklärung (oder Entschuldigung) herhalten. Wer andere Beiträge von Bas liest und sich das Informationsangebot von DTJ-online anschaut, wird schnell erkennen: Hier gibt es nur das zu lesen, was der Gülen-Ideologie hundertprozentig entspricht. Und es wird alles aufs schärfste kritisiert, was der Gülen-Gedankenwelt zuwider ist. Ist das nicht die von Bas gescholtene Gleichschaltung – oder etwa das Ergebnis einer mehrjährigen Indoktrination … ?

Für mich gibt es nach einer solchen „Erfahrung“ nur eine Konsequenz: Wir dürfen keine Gelegenheit auslassen, vor der Gülen-Bewegung und ihren Mitgliedern zu warnen. Dort lebt und arbeitet man in einer islamischen Traumwelt, die mit unserer (europäischen) Realität nichts zu tun hat und die wir auch in Zukunft nicht haben wollen!


Nachtrag

In meinem Archiv bin ich auf eine Aussage des früheren US-Botschafters in Ankara James Jeffrey aus 2009 gestoßen: „Es ist unmöglich zu beweisen, dass Mitglieder der Gülen-Bewegung die (türkische, Anm. des Verfassers) Polizei kontrollieren, aber wir haben niemanden getroffen, der es bestreitet“ (zitiert nach Spiegel Ausgabe 32/2012). Ja, wenn dem so ist, muss natürlich alles getan werden, um die polizeilichen Maßnahmen gegen die Teilnehmer der Juni-Demonstrationen als rechtens und angemessen darzustellen!

© 2014 – Jürgen P. Fuß – Aktuelle Türkei Rundschau


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